"Mit Vergnügen verachtet"
27.02.2010 - HATTENHEIM
Von Christina Schultz
DORNFELDER In Hattenheim überzeugten vor allem die im Barrique ausgebauten Weine
Das dritte Rebsorten-Symposium, das die Eltviller Vinothek und der Weinpunkt Hattenheim veranstalteten, gestaltete sich als informativer Abend, der die ein oder andere Überraschung in sich barg. Nach Scheurebe und Weißburgunder rückte nun im Weinpunkt Lang/Barth der Dornfelder in den Fokus. Die drei Moderatoren Ulrich Bachmann, Benjamin Gillert und Juliane Kremtz, Studentin der Internationalen Weinwirtschaft an der Hochschule in Geisenheim, waren sich darüber im Klaren, mit der seit 50 Jahren angebauten Neuzüchtung des mittlerweile zum Rotweinklassiker herangereiften Dornfelders ein brisantes Thema, vor allem im Rheingau, anzupacken.
Mit Winzer Gerhard Gutzler aus Gundheim in Rheinhessen stand ein Fachmann für Dornfelder im Ring. Zwar sei der Spätburgunder sein stärkstes Produkt, doch habe der Dornfelder als deutsche Rebsorte durchaus im einfachen Bereich seine absolute Berechtigung. Die Spielregeln der Symposien sind denkbar einfach: Jeder Teilnehmer, seien es Weinhändler, Sommeliers, Weinliebhaber, Winzer oder Weinbaustudenten, bringt eine Flasche seiner Wahl mit und berichtet darüber. Darauf folgen Verkostung und Besprechung. "Es ist ein bisschen wie das Prinzip der Bottle-Party, jeder trägt etwas dazu bei und alle reden dann darüber", meinte Sommelier Benjamin Gillert.
Ulrich Bachmann, der selbst, wie er zugab, drei Flaschen Dornfelder aus der Versenkung seines Weinkellers geholt hatte, um sie in der Runde des Fachpublikums auszutesten, erwartete gespannt die Reaktionen auf die 26 mitgebrachten Flaschen aus Anbaugebieten wie Rheinhessen, Pfalz, Mosel, Württemberg und Saale-Unstrut . "Wir wollen fachorientiert diskutieren und anhand der Vielfalt der Kostproben die Typizität der Rebsorten herausarbeiten".
Dass im Rheingau kaum jemand den Dornfelder als seinen Favoriten ansieht und ihn vorurteilsfrei als gleichberechtigte Rebsorte behandelt, ging auch aus den anfänglichen Äußerungen der Gäste hervor: "Ich habe den Dornfelder immer mit viel Vergnügen stets verachtet", so ein Teilnehmer. Und auch die Verkostung spaltete die Geschmäcker der Fachleute des Öfteren. Doch dass in der ein oder anderen Flasche wesentlich mehr steckte als ein Massenweinprodukt, das ursprünglich als "Deckrotwein" benutzt wurde und sich in den Regalen der Supermärkte als Billigprodukt großer Beliebtheit erfreut, davon ließ sich im Laufe des Abends so mancher überzeugen.
Vor allem die im Barrique ausgebauten Dornfelder, die mehr die Gerbstoffe und Struktur des Weines als die Fruchtaromen betonten, lagen eher in der Gunst der Verkoster.

