Samstag, 11. Februar 2012 10:07 Uhr
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Wiesbadener Kurier

Rhein-Main 

Problemstau vor dem Jubiläumsjahr des Frankfurter Zoos

01.06.2007 - FRANKFURT

Von Harald Kaliwoda

4795 Tiere sind laut Gutachten zu viel für den Tierpark/Zwei Großbaustellen und Suche nach neuem Direktor/Jährlich 8,9 Millionen Euro Zuschuss

Der Frankfurter Zoo ist mit 4795 Tieren auf relativ kleiner Fläche nicht wirtschaftlich zu betreiben. Das steht in einem Gutachten über den von der Stadt mit rund neun Millionen Euro jährlich bezuschussten Tierpark, der 2008 mit neuen Bauten und neuem Direktor sein 150-jähriges Bestehen feiern will. Eingezwängt zwischen Wohnhäusern und Hauptverkehrsstraßen liegt der verwinkelte Frankfurter Zoo mit seinen nur elf Hektar Fläche eingezwängt im Osten der Stadt. Berühmt geworden ist die Anlage mit ihren Krokodilen, Meerkatzen, Löwen und Nashörnern vor allem durch die 175 Fernsehsendungen "Ein Platz für Tiere" des legendären Nachkriegs-Zoodirektors Bernhard Grzimek. Zuwenig Platz für Tiere lautet allerdings das Fazit eines Gutachtens, aus dem Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) in der vergangenen Sitzung des Kulturausschusses des Stadtparlaments zitierte. Mit fast 5000 Tieren von 563 Arten sei der Frankfurter Zoo nicht wirtschaftlich zu betreiben, bilanziert der Verfasser des Gutachtens, Bernd Schildger. Er ist Direktor des Zoos im schweizerischen Bern und leitet seit März an zwei Tagen in der Woche vorübergehend auch den Frankfurter Tiergarten. Dessen eigentlicher Chef, Christian Schmidt - ebenfalls ein Schweizer - hatte nach 13 Amtsjahren völlig überraschend seinen Rücktritt erklärt und ist seither praktisch abgetaucht. Bis zu seinem Vertragsende im März 2008 kümmere er sich noch um das Bauprojekt für die Menschenaffen, hieß es offiziell. Über die Gründe des Rückzugs oder ein Zerwürfnis mit der Stadt als Eigentümer des Zoos wurde nichts bekannt. Nur selten sichten Mitarbeiter Schmidt noch auf dem Zoogelände. Das Ausschreibungsverfahren zur Neubesetzung der Stelle ist angelaufen. Der Amtswechsel kommt ungelegen, denn 2008 soll das 150-jährige Bestehen des am 8.August 1858 gegründeten Zoos ganzjährig groß gefeiert werden. Bis dahin stauen sich vielfältige Probleme beim Frankfurter Zoo. Neben der Führungskrise gibt es auch Probleme mit der Attraktivität des Angebots und gesunkenen Besucherzahlen, die sich nur langsam wieder der Marke von über einer Million Menschen wie vor 15 Jahren nähern. Der Zoo ist zu 78 Prozent ein Zuschussbetrieb für die Stadt. 8,9 Millionen Euro wurden 2006 als Subvention hineingesteckt. Der Investitionsbedarf ist hoch. Es gibt anhaltende Kritik am unzureichenden gastronomischen Angebot des privaten Pächters, es fehlt an Besucherparkplätzen, an Spielmöglichkeiten für Kinder und am Wochenende stauen sich Besucherschlagen vor dem zu klein geratenen Kassenbereich. An zwei Stellen ist der Zoo seit Monaten eine Großbaustelle. Für eine halbe Million Euro entsteht am Weiher ein Haus für die Gibbon-Affen und für 14,5 Millionen Euro die neue Menschenaffen-Anlage Bonoboland. Dort machte das Bauunternehmen kürzlich Pleite. Inzwischen gehen die Arbeiten mit einer anderen Firma weiter. Ende des Jahres sollen die Bauten eingeweiht werden. Danach muss für die Bären noch ein 1,5 Millionen Euro teures neues Haus gebaut werden. Welches Zukunfts- und Sanierungskonzept dem Zoo verordnet werde, sei "noch nicht spruchreif", sagte Caroline Liefke, Sprecherin des Tiergartens, gestern auf Anfrage. Es gebe das Gutachten und eine Evaluierungsgruppe die Vorschläge erarbeite. Der hohe Tierbestand im Zoo liege auch daran, dass viele kleine Tiere gehegt würden, meinte sie. Im vergangenen Jahr hatte der Zoo 903000 Besucher. Das waren rund 100000 weniger als 1992, aber auch schon wieder 200000 mehr, als in der schlechtesten Phase Ende der neunziger Jahre. Der Eintritt von acht Euro pro Erwachsenenkarte soll wegen der Neubauten um ein bis zwei Euro angehoben werden. Ob das Besucher abschreckt, wird sich zeigen. Mit dem von der Fläche her zweieinhalb Mal so großen Opel-Zoo in Kronberg vor den Toren Frankfurts ist eine mächtige Konkurrenz entstanden mit 600000 Besuchern pro Jahr, die 1400 Tiere in 200 Arten bewundern können - einschließlich Elefanten, die es im Frankfurter Zoo seit 1991 nicht mehr gibt. Der Opel-Zoo bietet zudem ein Dorado an Kinderspielplätzen und Restaurants mit Panoramablick auf den Taunus und Frankfurts Skyline.


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