Von Harald Kaliwoda
Eklat auf der Bühne: Stargast Kim Wilde bricht Auftritt wegen Technikproblems verärgert ab
FRANKFURT Der 25.Frankfurter Opernball stand am Wochenende unter keinem guten Stern. Organisatorische Mängel, technische Pannen und so wenig Prominenz wie noch nie prägen das Spektakel in der Alten Oper.
Der Weg zur festlich beleuchteten Alten Oper ist für die über 2000 Gäste ein Hindernislauf. Wegen der später ausufernden Protestdemonstration haben Hundertschaften der Polizei die Alte Oper umstellt und zum Hochsicherheitstrakt gemacht. Der Autoverkehr bricht wegen Staus, Umleitungen und Blaulicht-Kolonnen von 18 bis 20 Uhr fast zusammen. Selbst die 300 Opernball-Ehrengäste aus einem nahen Grand-Hotel warten lange vergeblich auf ihren Limousinen-Shuttleservice oder ein Taxi. Nur politische Prominenz wie Hessens Ministerpräsident Roland Koch und Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung treffen wegen ihrer Polizeieskorten pünktlich ein. Opernball-Veranstalter Manfred Pasenau bedauert um 20.30 Uhr auf der festlich dekorierten Bühne, dass sein Opernball erstmals mit Verspätung beginnt. Dann gerät der abendliche Programmstart durcheinander. Während die Gäste sich bereits über Hummer und Häppchen hermachen, rempeln 30 bis 40 Presseleute, Kamerateams und hektische Fotografen durch die Sitzreihen. Von grimmigen Sicherheitsleuten mühsam zurückgedrängt versucht die bildhungrige Medienmeute die besten Fotos der dünn vertretenen Prominenz zu ergattern. Ex-Schwimmerin Franziska van Almsick lächelt zumindest neben dem etwas steif wirkenden Ministerpräsidenten Koch ins Blitzlichtgewitter. Die Schauspielerin Ornella Muti reagiert hingegen gereizt auf das gleißende Kameralicht. Verteidigungsminister Jung genießt seinen Heimaturlaub in vollen Zügen und schwenkt lächelnd sein Weinglas. Unterdessen singt bereits ein kaum beachteter Oldie-Stargast auf der Bühne: Al Martino geht mit seinem Hit "Spanish Eyes" im Gemurmel und Geschirrklappern im Festsaal unter. Der 79-Jährige nimmt es gelassen. Ganz anders und divahaft reagiert danach Bühnenstar Kim Wilde - bekannt durch Hits wie "Kids in America". Nachdem ihr Mikrofon mehrfach knallartige Rückkopplungs- und Krächzgeräusche von sich gibt und die 46-Jährige erschrickt, verabschiedet sie sich nach nur wenigen Minuten entnervt von der Bühne, weil sie unter diesen technischen Bedingungen nicht singen könne. Es folgen peinlich stille zehn Minuten im Saal, bis Organisator Pasenau an Mikrofon tritt und sich für den "Mist", wie er die Panne nennt, entschuldigt und zugibt: "Kim Wilde sitzt weinend in der Garderobe wegen des technischen Unglücks." Dann nimmt die Big-Band von Günter Noris vorzeitig wieder die Instrumente in die Hand und versucht mit schmissiger Tanzmusik die peinliche Atmosphäre zu überspielen. Den Abend rettet aber erst der dritte große Bühnenstar: Liz Mitchell, Leadsängerin von Boney M. Fast eine Stunde lang bringt die 54-Jährige den Saal mit Hits wie "Daddy Cool" oder "Rivers of Babylon" zum Kochen. Während die Gäste im Hauptsaal am Tisch tafeln dürfen, ärgern sich viele mit Flanierkarten zu immerhin 220 Euro darüber, dass sie sich den ganzen Abend nirgendwo hinsetzen können. Die Kaviar- und Sushihappen von den Gourmettheken müssen sie ohnehin extra bezahlen. Zum Essen hocken Smokingträger und herausgeputzte Damen dann mit ihrem Teller auf den Stufen im Treppenhaus. Die Flaniermeile ist zudem ein irritierend bunter Jahrmarkt aus Esstheken, Bars, Unterhaltungskünstler-Ecken und Werbeständen. Alles stört sich gegenseitig in der Wirkung und die Luft ist dick verraucht. Wer für sein Eintrittsgeld zwischen 130 und 655 Euro auf Tuchfühlung mit Prominenten gehen will, muss lange Ausschau halten. Die wenigen Schönen, Reichen und Berühmten bleiben im Saal unter sich. Große Namen wie bei früheren Opernbällen mit Sophia Loren, Prinz Philipp oder Gerard Depardieu fehlen. Die Liste der Absagen in Frankfurt ist fast länger, als die Liste der erschienenen Promis. Alt-Kanzler Helmut Kohl fehlt wegen einer Knie-Operation, Gudrun Landgrebe zieht Dreharbeiten in Spanien vor und nicht einmal Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth taucht auf, obwohl sie auf der Gästeliste steht. Zwar kommt die Feierlaune der Veranstaltung, die mit Oper, Ball und Walzermusik nichts zu tun hat, bis Mitternacht doch in Schwung, aber die Klasse früherer Tage erreicht der Frankfurter Opernball längst nicht mehr.

