Von Harald Kaliwoda
Agentur verkauft perfekte Alibis für den privaten Seitensprung/Schwerpunkt ist Frankfurt
FRANKFURT Aus einem Laster hat Stefan Eiben ein blühendes Geschäft gemacht. Der 32-Jährige betreibt nach eigenen Angaben Deutschlands größte Agentur für professionelle Alibis. Auf Bestellung organisiert er Ausreden für Seitensprünge. Die meisten Kunden hat er in Frankfurt.
Mit dem Slogan "Die Lösung für Ihr Problem - Wir verschaffen Ihnen den gewünschten Freiraum" wirbt der gelernte Finanzfachmann Stefan Eiben vor allem im Internet für seine Dienste. Er sorgt zum Beispiel dafür, dass Ehefrauen nicht misstrauisch werden und ihrem Gatten den dringenden "Geschäftstermin" übers Wochenende auch glauben, obwohl er sich mit seiner Geliebten vergnügt. Dazu wird eine fingierte Einladung samt Seminarunterlagen produziert und eine Telefonnummer angegeben, wo der untreue Gatte angeblich erreichbar ist. Tatsächlich klingelt dann aber ein Apparat in der Agentur Alibi-Profi. Während vom Tonband passende Hintergrundgeräusche erklingen wird die Anruferin vertröstet, ihr Mann sei gerade im Schulungsraum unabkömmlich und werde gleich zurückrufen. Der Mann und Kunde wird dann benachrichtigt und kann seine Frau zurückrufen. Auf die Idee, aus dem Alibi-Bedarf bei Seitensprüngen ein Geschäft zu machen, kam Stefan Eiben vor sechs Jahren im privaten Freundeskreis, wie er im Gespräch mit dieser Zeitung verrät. In seiner Clique vereinbarte man öfter gegenseitige Alibis, um den eigenen Partner zu beruhigen. Eiben gründete eine Ein-Mann-Firma und hat sich inzwischen ein bundesweites Netzwerk mit Dutzenden Mitarbeitern aufgebaut. Der Erfolg überraschte ihn selbst: "Ich war vor allem total verwundert, dass auch so viele Frauen ein Alibi wollten." Beim Thema Fremdgehen würden sich Männer und Frauen in seiner Kundenkartei die Waage halten. Wegen der Ballung von Unternehmen und Messen in Frankfurt und dem großen Freizeitwert des Rhein-Main-Gebiets mit seinen vielen Hotels und Restaurants habe er in der Mainmetropole - neben Hamburg und Berlin - seinen Hauptkundenkreis, schildert Eiben. Seine Büros mit den freien Mitarbeitern und den vielen Telefonapparaten und Computerbildschirmen wirken wie ein Callcenter. Beim Personal achtet Eiben vor allem darauf, dass sich niemand am Telefon verplaudert oder Kunden verwechselt. Bei jedem Anruf werde angezeigt, um wen es sich handele und welcher Auftrag dazu gehöre. Entsprechend meldet sich der Mitarbeiter als Hotel, als Firma, alter Schulfreund oder Geschäftspartner. Vom Tonband werden dazu passende Geräusche eines Büros, Flughafens oder Restaurants eingespielt. Die Preisliste der Alibi-Agentur reicht von einer per SMS verschickten Terminbestätigung für neun Euro über eine spurlose Hotelbuchung auf einen Alibinamen bis zum Doppelgänger für 250 Euro plus Spesen, der den Auftraggeber vor Ort vertritt. Ab 297 Euro pro Monat organisiert die Agentur sogar ein Doppelleben als "permanentes Alibi". In einem Fall habe hierfür ein arbeitsloser Ex-Manager eine Scheinfirma aufbauen lassen in der er angeblich seinen neuen Job hat, weil er vor der Familie verheimlichen wollte, dass er gefeuert war. Nicht immer sind Seitensprünge der Grund für das bestellte Alibi, weiß Eiben. Manchmal wollen Männer nur zum Fußballspiel, was die Gattin missbilligt, manchmal wollen Frauen einfach nur einen vorübergehenden Freiraum vor der eifersüchtigen ehelichen Überwachung erkaufen. "Das Hauptproblem ist, für den Kunden die richtige Branche zu finden in der man sein Alibi etabliert", schildert Stefan Eiben. Nur wenn es zu ihm passe, sei es glaubwürdig. Geschäftsleute lässt er zuweilen als Dolmetscher zu einem angeblichen Firmentermin reisen. Vertreter einfacherer Berufe schickt die Agentur als angebliche Autoüberführer los oder lässt sie eine Reise im Preisausschreiben "gewinnen". Zur Abrundung gibt es echt wirkende Auftragsbestätigungen, Gewinner-Mitteilungen oder Geschäftsbriefe die zu einem Termin einladen sowie Prospekte, Telefonnummern oder Visitenkarten nach Bedarf. Eiben arbeitet zum Teil mit den Firmen von Ex-Kunden zusammen, bei denen neue Alibi-Sucher dann angeblich geschäftlich zu tun haben. Das schnelle Einrichten von passenden Telefonnummern ist Eibens Spezialität, denn sein Job besteht zum großen Teil aus Technik. Der Rest ist Fingerspitzengefühl und kriminalistischer Spürsinn, wie seine Liste mit Tipps auf der Internetseite belegt. Zu den Ratschlägen gehört, Anruflisten auf dem Handy immer zu löschen, in Hotels, Restaurants oder Tankstellen nicht mit Kreditkarte zu zahlen, immer die gewohnten Kosenamen zu verwenden, keine außergewöhnlichen Geschenke von der "Geschäftsreise" mitzubringen und vor allem alle fremden Seifen- und Parfümdüfte abzuduschen. Selbst braucht der Agenturchef kein Alibi mehr, denn seine Freundin arbeite in der Firma mit, sagt er. Ein schlechtes Gewissen habe er bei der Arbeit auch nicht. Schließlich sei alles zwar nicht ganz ehrlich, aber doch legal. Falsche Alibis für Kriminelle kämen bei ihm ohnehin nicht in Frage, betont er. Eine schriftliche Garantie gibt Eiben auf seine Alibis nicht, versichert aber: "Bisher ist noch keines geplatzt." Weitere Informationen finden Sie im Internet unter: www.alibi-profi.com

