Von Christoph Cuntz
Dennoch ermittelt Staatsanwaltschaft nicht gegen hohe hessische Richterin
FRANKFURT Seit drei Jahren ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Mann von Karin Wolski, eine der höchsten Richterinnen Hessens. Er wird der Untreue verdächtigt, soll mehrere Millionen Euro zu Unrecht bekommen haben. Nur er? Auch seine Frau erhielt hohe Summen.
Sie ist Vize-Präsidentin des Verwaltungsgerichtes Darmstadt und Richterin am hessischen Staatsgerichtshof: Oberbürgermeisterin von Offenbach allerdings konnte Karin Wolski (CDU) nicht werden. Ihre Kandidatur scheiterte Anfang 2005, als ruchbar wurde, dass die Staatsanwaltschaft gegen ihren Mann, einen Frankfurter Rechtsanwalt, ermittelt. Es geht um den Vorwurf, Gelder eines zu Lebzeiten schwerreichen, inzwischen aber verstorbenen Geschäftsmannes veruntreut zu haben. Dessen hoch betagte Ehefrau Margit C. soll dem sehr viel jüngeren Mann von Karin Wolski sehr zugetan sein und ihm Millionen geschenkt haben. Womöglich gegen den Willen des Verstorbenen. Und ohne dass der begünstigte Anwalt die Schenkungen versteuerte. Nur Margit C. und er sind ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Nicht aber seine Frau Karin Wolski, obwohl nach Erkenntnissen der Ermittler auch sie von den Geschenken der alten Dame profitierte. Prominentestes Geschenk: ein Ferrari Maranello, der auf Karin Wolski zugelassen war. Den Kaufpreis von 265000 DM (umgerechnet gut 135 000 Euro) hatte Margit C. im September 2001 überwiesen. Das Geschenk kostete Karin Wolski damals die Kandidatur in Offenbach, auch weil unklar war, wem der Ferrari gehört: ihr oder ihrem Mann? Karin Wolski war es auch, die vor zehn Jahren umfangreiche Schlosserarbeiten am Privathaus in Auftrag gegeben hatte. Bezahlen konnte oder wollte sie die Rechnung nicht zur Gänze: Mehr als 68 000 DM (etwa 35 000 Euro) überwies deshalb Margit C. 2001 an den Schlosser. Ebenfalls 2001 zahlte Frau C. ein Baudarlehen über fast 255 000 DM (130 000 Euro) zurück, das die Wolskis aufgenommen hatten. Und überwies 300 000 DM (153 000 Euro) für das Haus in Neu-Isenburg, das sich die Wolskis gekauft hatten. Für all diese Schenkungen hätte es eine Grundlage geben können - einen Honorarvertrag etwa, weil Anwalt Wolski den Unternehmen der Margit C. mit Rat und Tat zur Seite stand. Doch bei Durchsuchungen im Hause Wolski und in Firmen von Margit C. fand die Polizei keine solchen Verträge. Die Staatsanwaltschaft war damals nicht von Amts wegen tätig geworden. Treibende Kraft hinter den Ermittlungen ist der Schwiegersohn des verstorbenen Geschäftsmanns, Janusz Pomer, der es als "zutiefst widerlich" empfindet, wie sein schwer kranker Schwiegervater in ein Altenheim abgeschoben wurde und sich Anwalt Wolski in dessen Unternehmen und im Leben von Margit C. breit gemacht habe. Für "unmoralisch und rechtlich verwerflich" hält er auch das Verhalten von Karin Wolski. Doch die seit zwei Jahren einzig erkennbare Ermittlungstätigkeit der Staatsanwaltschaft war: Sie gab das Steuerstrafverfahren gegen Anwalt Wolski an die Staatsanwaltschaft Darmstadt ab, weil der Beschuldigte in Neu-Isenburg wohnt. Nun hat der Anwalt von Janusz Pomer Dienstaufsichtsbeschwerde eingelegt. Pomer wird vertreten von Jürgen Fischer, in dessen Kanzlei auch der frühere hessische Justizminister Rupert von Plottnitz (Grüne) arbeitet, der - wie Karin Wolski - Richter am hessischen Staatsgerichtshof ist. Fischer spricht von einem regelrechten "Verfahrensboykott" der Staatsanwaltschaft sowie von der "kriminellen Gier" der Beschuldigten, und wundert sich dass Karin Wolski immer noch nicht als Beschuldigte eingetragen worden sei - "trotz des sich aufdrängenden Verdachts der Mittäterschaft". Voll Ironie schreibt er: Man könne wohl von der Vizepräsidentin eines Verwaltungsgericht nicht verlangen, sich mit den Folgen jener Großherzigkeit zu befassen, "aufgrund deren sie mal so eben Miteigentümerin eines Mehrfamilienhauses geworden ist". Doris Möller-Scheu, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, hält dagegen: "Nur weil Karin Wolski Nutznießerin ist, ist sie nicht automatisch Mittäterin". Auch habe Margit C. nur mit Karin Wolskis Mann "zumindest in einer Geschäftsbeziehung" gestanden. Möller-Scheu rechnet damit, dass das Ermittlungsverfahren im Herbst abgeschlossen werden kann. Die lange Dauer erklärt sie damit, dass immer neue Fakten vorgetragen worden seien.

