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Wiesbadener Kurier

Rhein-Main 

"Rauchverbot in Wohnungen mit Kindern"

14.09.2007 - FRANKFURT

Von Jorg Hamm

Stadt Frankfurt untersuchte Urin von 111 Erstklässlern auf Schadstoffe

FRANKFURT In Frankfurt wurde erstmals in Deutschland der Urin von 111 Erstklässlern auf Schadstoffe untersucht. Die Ergebnisse sind teilweise besorgniserregend. Besonders belastet waren Kinder von Rauchern und Fans von Pommes frites

Dass Passivrauchen schadet, ist durch hunderte von Studien bewiesen worden. Kinder von Rauchern haben demnach doppelt so oft eine Mittelohrentzündung oder leiden häufiger an Erkrankungen der Atemwege als Kinder von Nichtrauchern. Doch wie hoch sind die Schadstoffe in den Körpern der Kleinen? Das wollte jetzt die Stadt Frankfurt wissen. Sie ließ von Wissenschaftlern der Universität Erlangen den Urin von 111 der etwa 5000 Erstklässlern auf Cotinin (ein Stoffwechselprodukt von Nikotin) untersuchen. Außerdem sollten die Experten messen, wie hoch der Wert an Acrylamid (in Pommes frites und frittierten Speisen enthalten) und an Phthalaten (Weichmacher in Spielzeug) im Organismus der Fünf- und Sechsjährigen ist. Diese beiden Stoffe stehen im Verdacht - wie Zigarettenrauch - krebserregend zu sein. Die Ergebnisse waren abhängig von der Passivrauchbelastung der Kinder. Die durchschnittliche Konzentration von Cotinin lag bei den untersuchten Kindern bei 1,5 Mikrogramm (µ) pro Liter. Kinder, in deren Wohnung niemand rauchte, hatten im Mittel den niedrigsten Wert (1,2 µ/l). Kinder, in deren Wohnung geraucht wurde, wiesen hingegen im Mittel eine zehnfach höhere Belastung auf (13,6 µ/l). Je mehr Zigaretten in der Wohnung geraucht wurden, desto höher waren die Cotininwerte in den Urinproben der Kinder. Erstmals in Deutschland wurde mit einem neuen Messverfahren auch die Acrylamidbelastung im Urin gemessen. Dieser Stoff entsteht bei der Erhitzung von Lebensmitteln, die Proteine und Kohlenhydrate enthalten, etwa Kartoffeln. Hohe Acrylamidgehalte finden sich in Pommes frites und Kartoffelchips. Raucher nehmen darüber hinaus erhebliche Mengen dieses Giftes über das Zigarettenrauchen auf. Die Ergebnisse in Frankfurt waren dementsprechend. Kinder, die häufig Pommes oder frittierte Lebensmittel zu sich nehmen, hatten eine höhere Acrylamidbelastung im Urin als solche, die diese Lebensmittel selten essen. Im Mittel lag die Belastung der getesteten Kinder 50 Prozent höher als bei erwachsenen Nichtrauchern. Besonders hoch waren die nachgewiesenen Phthalat-Werte. Phthalate werden weltweit als Weichmacher, etwa in Spielzeugen, verwendet. Sie entweichen als Gase und gelangen so in die Umwelt. Auch über das Lutschen und Lecken gelangen sie in den Organismus von Babys und Kleinkindern. Zwar ist ihre Verwendung in der EU verboten, doch in vielen außereuropäischen Ländern wie China finden sie nach wie vor reichlich Verwendung. Die bei den Frankfurter Kindern ermittelten Raten waren bis zu zehnmal so hoch wie nach rechnerischen Schätzungen erwartet worden war. Während Belastungen früher Jahre wie DDT oder Blei in den vergangenen 20 Jahren deutlich abnahmen, belasten jetzt Phthalate die Körper der Kinder. Frankfurts Umweltdezernentin Manuela Rottmann (Grüne) will dafür sorgen, dass in Frankfurt Eltern künftig verstärkt über die Gesundheitsrisiken, die das Rauchen, Nahrungsmittel und bestimmte Spielzeuge bergen, informiert werden. "Wir empfehlen Eltern außerdem, bei Spielsachen auf das Herstellungsland zu achten." Gütesiegel und Testergebnisse könnten außerdem Grundlage einer Kaufentscheidung sein. Doch hier seien die meisten Eltern überfordert. Deshalb sei der Gesetzgeber gefordert, bestimmte Qualitätsstandards durchzusetzen. Die Stadt will die Ergebnisse ihrer Untersuchung deshalb an die Bundesregierung und die EU weiterleiten. Rottmann weiter: "Die Daten zur Passivrauchbelastung zeigen eindeutig, dass ein konsequentes Rauchverbot in der Wohnung die Belastung der Kinder mindern kann." Im Umfeld von Kindern sollte auch außerhalb der Wohnung generell auf Tabakkonsum verzichtet werden.


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