Von Andreas Schermer
Leichenfledderei müssen sich die meisten vorhalten lassen, die im Zuge der kommerziellen Ausschlachtung um den Tod des Popstars Michael Jackson unter seinem Namen erfolgreich ein halbherziges Tingeltangel-Programm zusammenschustern. Nicht so die Londoner West End-Produktion „Thriller – Live”, die schon zu Lebzeiten des kalifornischen Idols seinen Spirit glaubhaft in einer Tanz-Revue einfing. In der alten Alten Oper Frankfurt fand nun die Premiere der gleichnamigen Tour-Produktion statt.
Selbstloser Perfektionist
„Thriller – Live” unterlässt es, der Show eine peinliche Jackson-Kopie als zentrale Instanz einzupflanzen. Gleich sechs Artisten – darunter in Hayley Evetts sogar eine weibliche Besetzung – übernehmen mit bemerkenswertem Talent abwechselnd den Gesang. Evetts ist auch prädestiniert als Duettpartnerin mit dem reiferen Jan Pitter in „I'll be there“ oder „I Just Cant Stop Loving You“. Jeder auf seine Weise beeindruckend, sticht der 14-jährige Jordan Bratton alleine durch sein jugendliches Alter hervor. So beginnt die Show mit dem rührig gehauchten „Gone too soon“ des munteren Mini-Michaels, der sonst den Part in Stücken der Jackson Five übernimmt.
Das besondere liegt im Nicht-Imitieren. In ihrer Porträtierung arbeiten die Akrobaten nicht einfach nur als Klon-Hampelmänner ihr choreografisches Bewegungsvokabular ab, sondern nehmen sich die Freiheit, ihren Ausdruck aus dem eigenen Gefühl heraus zu interpretieren. Was Show und Tanzbewegung betrifft war Jackson zweifelsohne ein selbstloser Perfektionist. Diesen Ansprüchen kommt die Thriller-Show durch ihr hohes Maß an Präzision sehr nahe. Die wehende Krawatte wie jeder Faltenwurf der Maßgeschneiderten Kostüme scheint nach Plan zu fallen. Oft sind die Ballettfolgen auch lebendige Zitate aus den aufwändigen Video-Clips. Besonders wirkungsintensiv „Smooth Criminal“, wenn Yovanny Pichardo im schneeweiß strahlenden Anzug optisch aus dem blutrot getränkten Bühnenlicht hervorsticht. Dwayne Wint beeindruckt mit seiner grandiosen Gesangsleistung, die in schwierigen Tonfolgen spielerisch auch die feinsten Soulverschnörkelungen mitnimmt.
Knackige Funk-Rhythmen
Das Ballett glitscht über die Bühne oder lässt wie durch Marionettenfäden gezogen die Beine schwingen. Der Moonwalk bei „Billy Jean“ erhält mehr Begeisterungsrufe als der schwierige Sprung in den Stand auf den Fußrücken. Eine sechsköpfige Band liefert knackige Funk-Rhythmen aus einem meist geschlossenen, garagenähnlichen Verschlag im Bühnenhintergrund und kommt in der ersten Programmhälfte vom Sound leider entschieden zu kurz. Im Finale rattern die aggressiven Marschtrommeln von „They don't really care about us“. Und als Zugabe darf sich das hingerissene Publikum auf die kunstvolle Umsetzung des Grusel-Videos „Thriller“ im quietschroten Lederdress und ausgefransten Zombie-Kostümen freuen.



so schön ....
... mal einen Bericht über MJ (direkt oder indirekt) zu lesen der keine Seitenhiebe enthält sondern Anerkennung seiner Kunst. Danke!