Über den Wolken: Ehepaar aus Stromberg fliegt 60.000 Kilometer mit der Cessna
22.08.2010 - STROMBERG
Von Janina Plato
Fast fünf Monate die Welt von oben sehen - diesen Traum haben sich Hans-Jürgen und Wilma Schwerhoff erfüllt. Das Ehepaar aus dem rheinland-pfälzischen Stromberg (Kreis Bad Kreuznach) machte sich im April in einem Leichtflugzeug auf den Weg, die Welt zu umrunden. Nun haben sie wieder sicher den Boden ihrer Heimat betreten. „Wir sind ein gewaltiges Stück reicher an Eindrücken“, freuen sich die Weltenbummler nach einer Reisestrecke von circa 60.000 Kilometern, 18 besuchten Ländern und rund 200 Stunden Gesamtflugzeit.
Von Griechenland über Ägypten, Indien, Thailand und Indonesien führte sie die Reise durch die Lüfte weiter nach Australien, Japan, Russland, die USA, Kanada, Grönland, Island und als letzten Stopp Edinburgh in Schottland. „Jeder Ort hat seine eigenen Reize und somit seine eigene Schönheit“, betonen die 51-Jährigen. Besonders begeistert aber hat die beiden Kanada, wo sie auf einer Bootstour Orkas, Grizzlybären und Seeadler gesehen haben. Eines der Highlights war auch Tasmanien, wo die Eheleute nicht nur auf phantastische Natur, sondern auch auf sehr nette Menschen trafen.
Drei Tage festen Boden
Maximal drei Tage hatten die Stromberger jeweils festen Boden unter den Füßen, bis es zum nächsten der 50 Orte ging. „Fliegerisch war es ein unbeschreibliches Gefühl im amerikanischen Oshkosh landen zu dürfen, was das Mekka der Piloten ist“, schwärmt Hans-Jürgen Schwerhoff, der die einmotorige Cessna die gesamte Zeit flog. Seine Frau unterstütze ihn tatkräftig im Cockpit und funkte mit den angesteuerten Flughäfen. „Großen Respekt hatten wir vor langen Flügen über die kalten Ozeane“, erzählen die Reiseliebhaber. Während ihrer gut einjährigen Vorbereitungszeit hatten sie deshalb spezielle Überlebenstrainings besucht.
In lebensgefährliche Situationen kamen der freiberufliche Fluglehrer und die zweifache Mutter glücklicherweise nicht. Ein mulmiges Gefühl beschlich die beiden jedoch auf ihrem längsten Flug (acht Stunden) von Russland nach Alaska. Eingepackt in Überlebensanzügen mit Rettungsinsel und Zusatztank im Gepäck wird es außerdem schnell eng im Cockpit.
Wacker geschlagen
Wie das ein Ehepaar über vier Monate lang durchhält? „Wir haben uns wacker geschlagen“, erklären die beiden lachend. In Ländern wie Russland oder Japan, die als nicht fliegerfreundlich gelten, habe es erstaunlicherweise wenig Probleme gegeben. In Ägypten und Grönland sei es, was die Flughäfen anging, schwieriger gewesen.
Der Flugervirus hat den bis vor wenigen Jahren in der IT-Branche beschäftigten Schwerhoff bereits 1986 infiziert. Der Hobbypilot flog später mit seiner Familie im eigenen Flugzeug in den Urlaub und erlebte Australien, die USA und Südafrika aus der Vogelperspektive. Die Weltumrundung ist „die Krönung“. Eine Wiederholung wird es aber nicht geben. „Das war eine einmalige Sache und eine sehr große Herausforderung“, erklärt das Ehepaar. Gereist wird natürlich trotzdem noch, schließlich haben einige Länder „Appetit auf mehr gemacht“. Dass es jetzt im beschaulichen Stromberg langweilig werden könnte, glauben die beiden aber nicht. „Die Vorfreude ist riesig und es wird noch lange dauern, die vielen Erfahrungen und Erlebnisse zu verarbeiten.“ Denn wem wird schon in Phuket ein roter Teppich ausgerollt, wer sieht den Grand Canyon von oben und wer fliegt im Formationsflug um die Petronas Towers im malaysischen Kuala Lumpur?

