Ein Fahrrad treibt die Glitzerkugel an
12.04.2010 - DARMSTADT
Von Felix Hooß
UMWELT Organic Disco ist eine stromsparende Feier in der Centralstation in Darmstadt/ Party im Rahmen der Luminale
Tanzen und nebenbei die Welt ein kleines bisschen verbessern das ist das Motto einer außergewöhnlichen Veranstaltung am Mittwoch, 14. April (ab 21 Uhr), in der Centralstation in Darmstadt.
Bei der Organic Disco sollen Klubkultur und Klimaschutz vereint werden, das Ziel ist eine nachhaltige, klimaneutrale Party. Die Idee stammt von Darmstädter Studierenden. Ein halbes Jahr lang arbeiteten die 20 jungen Männer und Frauen an dem Konzept für die Feier, die im Rahmen der Luminale stattfindet.
Wir wollten eine Party machen, die keinen Strom verbraucht, sagt Tobias Reitz, einer der Organisatoren der Organic Disco. So habe es zunächst die Idee gegeben, eine nur mit Fackeln beleuchtete Unplugged-Feier auf der Mathildenhöhe zu veranstalten.
Schließlich schaltete sich die Centralstation mit ein - Darmstadts größter Veranstaltungsort und ein ehemaliges Elektrizitätswerk. Das Thema Energie wird auf verschiedene Weise aufgegriffen: Das Prunkstück ist der Sustainable Dancefloor, ein nachhaltiger Tanzboden aus den Niederlanden, der in Darmstadt zum ersten Mal in einem deutschen Klub zum Einsatz kommt, wie Reitz versichert. Das Tanzparkett senkt sich beim Betreten bis zu einen Zentimeter ab, durch Reibungsenergie wird der Boden zum Leuchten gebracht. Das heißt: Je wilder die Partygste tanzen, desto mehr Energie erzeugen sie. Bei der Organic Disco wird dies nur ein optischer Effekt sein, im Rotterdamer Club Watt, in dem der Tanzboden ebenfalls ausliegt, deckt er laut Reitz schon 30 Prozent des Energiebedarfs. Wir wollen zeigen, was möglich ist, sagt Reitz. Die Party versteht sich als eine Art Messe, die veranschaulicht, wie nachhaltiges Clubbing möglich ist. So werden die Besucher animiert, mit dem Fahrrad zu kommen. Auf einem großen Fahrradparkplatz vor dem Club werden die Reifen aufgepumpt und die Drahtesel geputzt, während ihre Halter drinnen feiern. "Wir verzichten auch auf konventionelle Lichtshows und Strahler, die viel Strom verbrauchen", sagt Reitz. Die Party soll mit Ökostrom versorgt werden, Sponsor der Organic Disco ist ein Energieversorger. Auf weitere Kleinigkeiten legen die Veranstalter wert. So werden aufgrund ihrer besseren CO2-Bilanz im Vergleich zu Fleisch nur vegetarische Snacks angeboten und ein Fahrrad treibt die Discokugel an. Natürlich wissen die Veranstalter der Organic Disco, dass auch ihre Party das Klima belastet.
Der Tanzboden wird mit dem Truck aus den Niederlanden geliefert. Auf jeder Party entsteht auch Müll und wird die Toilettenspülung betätigt, stellt Organisator Reitz fest. Den unvermeidlichen CO2-Ausstoß wollen die Partymacher durch eine Spende an die Non-Profit-Organisation myclimate kompensieren, die Klimaschutzprojekte weltweit fördert.

