Ferien im Wiesbadener Kletterwald: "Wie Ameisen im Bauch"
02.04.2010 - WIESBADEN
Von Julian Ebert
Eine ausgeklügelte Mechanik ist es, mittels derer sich die jungen Teilnehmer im Wald auf dem Neroberg in luftige Höhen katapultieren lassen. Über eine Seilrolle etwa zwölf Meter über ihren Köpfen miteinander verbunden nehmen elf Kletterer kräftig Anlauf, um den zwölften Schüler, der in entgegengesetzter Richtung anrennt, gen Baumwipfel abheben zu lassen. Das sieht ein bisschen aus wie Tauziehen, nur eben mit Flugeinlage.
Auch dieses Jahr hat „Wi&You Schöne Ferien“, eine Initiative der Landeshauptstadt, den Kletterwald in ihr Programm aufgenommen. Vier Tage haben die jugendlichen Schüler zwischen zwölf und fünfzehn Jahren dort verbracht. An ihrem letzten Tag machen sie, mit Sicherheitsgurten und Sturzhelmen bewehrt, Bekanntschaft mit dieser fulminanten Schleudertechnik. „Das ist so abgefahren“, entfährt es einer Probandin beim sachten Wiederzubodensinken. „Leute, bitte höchstens siebzig Prozent Power beim Rennen“, ruft Hao, einer der Leiter des Kletterparks.
Knoten binden und sicher abseilen
„So eine Gruppe übermotiviert sich leicht, es soll ja nichts aus dem Ruder laufen“, erklärt er. Indes tauscht die Abgehobene das Sicherheitsgeschirr mit dem nächsten Fluganwärter. Auch Annabelle Flach von „Wi&You“ versucht sich darin: „Das ist wie Ameisen im Bauch“, bringt sie das fliehkraftbedingte Kribbeln in der Bauchmitte beim Heraufsausen auf den Punkt. „Nochmal“, fordert sie lachend einen zweiten Versuch ein. „Später am Tag tauschen wir dann mit der anderen Zwölfergruppe dort drüben die Plätze. Dann wollen wir Blindklettern, wo es sehr auf Teamarbeit und gegenseitiges Vertrauen ankommt“, gibt Hao einen Ausblick auf das Tagesprogramm.
„Wir haben in den letzten Tagen gelernt, sichere Knoten zu binden und sich sicher abzuseilen. Und ein paar der Parcours sind wir geklettert“, erzählen Annika und Karola, die gerade eine Pause einlegen. Bei der großen „Waldmeisterschaft“, bei der zwei Teams gegeneinander antreten, waren sie bei den Gewinnern. Die Parcours im Kletterpark unterscheiden sich in Schwierigkeit und Höhe. Wie Ski-Pisten sind sie je nach Anspruch als blaue, rote und schwarze Parcours klassifiziert.

