DAS PORTRÄT AM MONTAGDer Flughafen hat ihn immer begleitet
15.03.2010 - FRANKFURT
Von Ulrike Würzberg
Volker Zintel, Chef der Fraport-Sicherheitsdienste, geht in den Ruhestand / 20 Jahre Polizei, sechs Jahre Bürgermeister in Hochheim
/ HOCHHEIM. Wenige Monate ehe Volker Zintel sich aus dem Berufsleben zurückzieht, wurde es noch einmal turbulent: Weihnachten überwältigen Passagiere einer Maschine, die von Amsterdam nach Detroit unterwegs ist, einen Attentäter. Der Vorfall lässt auch in Deutschland die Diskussion um Terrorgefahr und Sicherheit hochkochen. Es wird über Nacktscanner und Kontrollen an den Flughäfen diskutiert. "100 Prozent Sicherheit gibt es nicht", sagt Volker Zintel. "Und man muss immer daran denken, wieviel man den Menschen zumuten will."
Knapp 20 Jahre lang war Volker Zintel Chef der Sicherheitsdienste am Frankfurter Flughafen, zuletzt als Vorstandsvorsitzender der Airport Security Management, der größten Fraport-Tochter, mit insgesamt 3500 Mitarbeitern. Ende März geht er in Ruhestand. Nach Jahren der wachsenden Terrorgefahr wirft er Politik und Sicherheitsbehörden vor, dass sie "immer noch mehr draufsatteln". Alles sei eine Ermessensentscheidung, "man muss immer die Verhältnismäßigkeit wahren", meint Zintel und nennt ein Beispiel: "Wenn am Flughafen ein Koffer herumsteht, ist das zunächst einmal normal. Da muss man nicht alles absperren." Ihm ist es wichtig, Sicherheit gegen Freiheit abzuwägen.
Wie so häufig hat Volker Zintel auch in den vergangenen Wochen noch einmal in Konferenzen und Fachtagungen gesessen und mit anderen Experten diskutiert. Und sich manchmal amüsiert. Zum Beispiel, wenn ein junger Polizeioberrat forsch vertreten hat, dass das Sicherheitspersonal am Flughafen Verdächtiges überall aufspüren muss - sogar in der Unterhose des Passagiers. "Früher hätte ich sicher selbst so geredet," sagt er.
Steckbrief an Bäumen
Im ersten Berufsleben war Volker Zintel bei der Polizei, fing vor 45 Jahren bei der Bereitschaftspolizei an. Zintel machte schnell Karriere, war zuletzt als Oberrat Polizeichef im Main-Taunus-Kreis. Der Flughafen hat ihn auch damals beschäftigt. Es war die Zeit der teilweise gewalttätigen Proteste gegen den Bau der Startbahn West. Zintel galt als harter Einsatzleiter. Auch er selbst empfand die persönliche Belastung als sehr hoch. Startbahn-Gegner hängten sein Bild wie einen Steckbrief an Bäume, es gab Drohungen, die Familie in Hochheim bekam Polizeischutz. Zintel ist noch in Erinnerung, wie Demonstranten die Autobahn blockiert hatten, und ein Notarztwagen steckenblieb. "Wir haben es nicht geschafft, die Autobahn zu räumen," sagt er, "im Notarztwagen ist eine Frau gestorben". Die tödlichen Schüsse auf zwei Polizeibeamte an der Startbahn West erlebte er nicht mehr als Einsatzleiter. Denn 1984 wechselte Zintel in die Politik und wurde Bürgermeister von Hochheim. "Ich wollte etwas gestalten," sagt er. Es sei die Aufgabe eines Bürgermeisters, Dinge zu bewegen - auch in Zeiten knapper Kassen.
Hätte es Ende der 1980er Jahre in Hessen schon die Direktwahl des Bürgermeisters gegeben, Volker Zintel wäre vermutlich im Amt geblieben. 1990 kam das Angebot des Flughafens, nicht zuletzt durch die guten Kontakte aus dem Main-Taunus-Kreis zu Roland Koch. Und viele Kontakte, die er bei seiner Arbeit als Fraport-Sicherheitsschef nutzen konnte, stammen aus seiner Zeit in der Kommunalpolitik.
Zintels Ausscheiden ein Jahr vor dem 65. Geburtstag hat auch etwas mit der neuen Fraport-Spitze zu tun; der neue Chef Stefan Schulte setzt auf einen Generationswechsel. Zintel sieht das gelassen. Zunächst einmal hat auch er nun Zeit zum Reisen. Die Seidenstraße interessiert ihn noch, die Südsee oder die Anden. Den nächsten Urlaub hat Ehefrau Evelyn schon gebucht: Kuba. Und dann? Volker Zintel kann sich natürlich einen Unruhestand vorstellen, das Thema Sicherheit und Logistik wird ihn weiter beschäftigen.

