Schillernde Figur bald vor Gericht
23.02.2010 - MAINZ
PROZESSE Ex-CDU-Fraktionsgeschäftsführer Markus Hebgen angeklagt wegen Untreue und Betrug
/WIESBADEN (lac/dpa). Eine der schillerndsten Figuren der jüngeren CDU-Geschichte in Rheinland-Pfalz, Markus Hebgen, muss sich im März vor Gericht verantworten. Der frühere rheinland-pfälzische CDU-Fraktionsgeschäftsführer Markus Hebgen wird die Namen seiner Bordell-Begleiter vor Gericht aber nicht nennen. Das sagte sein Anwalt, Thomas Spintig, dieser Zeitung.
Die Staatsanwaltschaft wirft Hebgen Untreue in 18 Fällen sowie Betrug in einem Fall vor. Er soll unter anderem im Jahr 2005 eine Rechnung von 2900 Euro im Berliner Nachtclub "Villa Rascona" mit der Kreditkarte der Fraktion abgerechnet haben. Dafür muss er sich nun vor dem Amtsgericht Mainz verantworten, die Verhandlungstage sind für 15. und 29.März angesetzt.
Hebgen hatte angegeben, er sei im Club "Rascona" vom damaligen parlamentarischen Geschäftsführer der Fraktion, Jullien, begleitet worden, was dieser zurückweist. Offenbar ist die Staatsanwaltschaft Mainz in Besitz von vier weiteren Namen möglicher Bordell-Begleiter. Diese sollen aber nicht gewusst haben, dass mit Fraktionsgeld bezahlt wurde.
Nach Informationen dieser Zeitung sollen zu den angeblichen Begleitern ein langjähriger CDU-Landtagsabgeordneter aus Rheinland-Pfalz sowie ein CDU-Bundespolitiker zählen. In der Landtagsfraktion hält man die Rotlicht-Gerüchte allerdings für "sehr, sehr zweifelhaft", wie ein Vorstandsmitglied sagte. Würden Namen an die Öffentlichkeit lanciert, "dann werden wir handeln". Womöglich werden dann Anwälte eingeschaltet. Die Staatsanwaltschaft Mainz wirft Hebgen vor, Rechnungen in Nachtclubs in Wiesbaden, Mainz und Berlin in Höhe von 8000 Euro mit der Kreditkarte der Landtagsfraktion bezahlt zu haben. Hebgen wiederum wirft seinem Ex-Chef Christoph Böhr vor, 386000 Euro aus der Fraktionskasse für Parteizwecke verwendet zu haben.
Wechsel nach Hessen
2006 wechselte Hebgen als Geschäftsführer des Klosters Eberbach auf die andere Rheinseite nach Hessen. Doch auch dort veruntreute er einem Rüdesheimer Gerichtsurteil zufolge Geld. Er wurde 2008 zu einer Bewährungsstrafe von neun Monaten verurteilt, weil er als Geschäftsführer der Stiftung Kloster Eberbach 31000 Euro veruntreut hatte. In der jüngsten Vergangenheit tauchte Hebgen sinnigerweise als Führer in der Wiesbadener Ausstellung über den spektakulären Untergang des Luxusdampfers "Titanic" wieder auf.

