BIERTRADITION Umzug nach Bad Vilbel geplatzt / Schlechte Wirtschaftslage / Wohnungen in Henninger-Turm
(joh/dpa). Binding bleibt in Frankfurt und der benachbarte Henninger-Turm wird nicht abgerissen. Das sind zwei überraschende Nachrichten, die derzeit in Frankfurt diskutiert werden.
Die Frankfurter Brauereigruppe Radeberger (Binding, Henninger) verzichtet in letzter Minute auf ihren geplanten Umzug in die Nachbarstadt Bad Vilbel. Die Wirtschaftslage und der Bierabsatz in Deutschland seien so schlecht, dass die Millioneninvestition keinen Sinn mehr mache, sagte Geschäftsführer Albert Christmann. Für den deutschen Biermarkt zeichnete Christmann ein düsteres Bild: Seit Jahren gehe der Absatz zurück, zudem verschärfe sich unter den Anbietern der Preiskampf.
Keine Weiterentwicklung
Die Brauerei soll nun am traditionsreichen Standort der ehemaligen Binding-Brauerei im Stadtteil Sachsenhausen bleiben. Ursprünglich wollte die Brauerei in den Neubau 300 Millionen Euro investieren. Der Umzug war auch damit begründet worden, dass am bisherigen Standort eine Weiterentwicklung kaum mehr möglich sei, weil neben dem Firmengelände ein Wohngebiet liegt und Schallschutz-Auflagen erfüllt werden müssen.
Das Unternehmen wollte den Betrieb am neuen Standort "Quellenpark" in Bad Vilbel eigentlich im Jahr 2012 aufnehmen. Dort sollte neben der Brauerei auch die Hauptverwaltung entstehen. Ein Kaufvertrag war bereits unterzeichnet.
Dass das Traditionsunternehmen Bindung (1870 gegründet) wegziehen wollte, hatte in Frankfurt im Frühsommer Entsetzen und Ärger ausgelöst. Schließlich hatte die Stadt dem Unternehmen mehrere potenzielle Standorte im Stadtgebiet angeboten, darunter ein ehemaliges Militärgelände in Rödelheim. Doch die Geschäftsführer hatten sich dann für das weitläufige Areal in Bad Vilbel entschieden.
Mitten im Wohngebiet
Die Freude darüber, dass Binding/Radeberger jetzt doch in Sachsenhausen bleibt, ist in Frankfurt nicht groß. Denn dies dürfte nur vorübergehend sein. Die Verkehrsverhältnisse hier sind prekär. Die Brauerei liegt mitten in einem expandierenden Wohngebiet. Jeden Tag fahren hier hunderte von Lastwagen an und ab.
Demnächst dürften noch ein paar Anwohner dazukommen. Der seit über zehn Jahren leer stehende Henninger-Turm soll nämlich in ein Wohnhochhaus umgebaut werden. Ein Architektenwettbewerb im nächsten Jahr soll aufzeigen, wie dies aussehen könnte. Das ehemalige Getreidesilo hat sich zu einem Wahrzeichen von Sachsenhausen entwickelt. Das beliebte Drehrestaurant in der Spitze musste geschlossen werden, da es keinen zweiten Fluchtweg gibt.
Der Turm gehört der Mannheimer Actris AG des Milliardärs Dietmar Hopp (SAP, TSG Hoffenheim). Das Unternehmen hat jetzt beschlossen, das Silo nicht abreißen. Es soll als Wahrzeichen für das künftige Wohngebiet auf dem ehemaligen Henninger-Gelände erhalten bleiben.

