Von Frederick Fisher
Forscherteam um Professor Fuchs von der Uni Mainz: Abkühlung mit einfacher Vorrichtung möglich
MAINZ Mit Hilfe von Windfängen könnten sich vom Abschmelzen bedrohte Gletscher kühlen lassen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Team unter der Leitung von Prof. Hans-Joachim Fuchs vom Geographischen Institut der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz.
Mit seinem einzigartigen Windfang-Experiment im Rahmen einer Lehrveranstaltung im August 2008 zeigte Fuchs neue Ansätze zum Schutz der Alpengletscher auf. Dennoch traf sein Windfang am Rhône-Gletscher auch auf Widerstand und Kritik einiger Gletscherforscher, die den Windfang und seine Wirksamkeit schon vor der Erhebung von Messdaten auf dem Gletscher für "unwirksam" und "irrelevant" abtaten. Am Geographischen Institut stelltenFuchs und sein 27-köpfiges studentisches Team jetzt die Ergebnisse der Messreihen vor. Das Klimamessteam konnte demnach erstaunliche Ergebnisse festhalten. Eigens zur Datenerfassung installierten die Mainzer um den 15 mal drei Meter großen Windfang elf vollelektronische Datenlogger, die über einen Zeitraum von sechs Tagen insgesamt mehr als 95 000 Messwerte aufzeichneten. Die These lautete, dass bei Strahlungswetter kalte Fallwinde (katabatische Winde) über das Eis talwärts fließen. Sollte es möglich sein, diese zu stauen, könnte für das Gletschereis eine Kühlwirkung erzielt werden. Die Messungen lieferten eindeutige Ergebnisse: Die These von Fuchs und seinen Studie-renden hat sich am Versuchsobjekt auf dem Rhône-Gletscher bestätigt. Bei Strahlungswetterlagen und Hochdruckeinfluss flossen erwartungsgemäß die kalten Fallwinde besonders deutlich in Richtung Tal, wodurch die am Windfang verlangsamte kalte Gletscherluft ein Kältepolster über dem Eis entstehen ließ. Dadurch war die Temperatur über dem Eis um 1,5 bis zwei Grad Celsius niedriger als auf dem übrigen Eis. Spitzenwerte von maximal drei Grad Temperaturabkühlung ließen einen eindeutigen Trend erkennen. Als Fazit hielten Fuchs und sein Team fest: "Die Messungen der Temperatur am und um den Windfang herum haben eindrucksvoll die thermische Wirkung des Windfangs bestätigt. Insbesondere die Nachtmessungen haben die These der Kaltluftpolsterbildung untermauert. Auch die Eisbeschaffenheit zeigte bereits nach kurzer Zeit deutliche Unterschiede auf engstem Raum, sodass die Eiskristalle im Windfang über den Tag verteilt deutlich härter blieben als auf dem übrigen Eis." Infos zur Projektstudie: http://www.staff.uni-mainz. de/hjfuchs/Wallis-Homepage-2008

