„Auswirkungen absolut inakzeptabel“
26.08.2011 - MAINZ
FLUGLÄRM Mediziner erwarten Zunahme von Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch neue Landebahn
Brauchen wir eine neue Gesundheitsstudie, wenn wir doch schon wissen, dass Fluglärm gesundheitsgefährdend ist?
Münzel: Eigentlich nein. Meiner Meinung nach werden hier Millionen Euro ausgegeben für Dinge, die längst geklärt sind. Wie ich schon mehrmals gesagt habe, ist das größte Manko dieser Untersuchung, dass die aktuelle Lärmbelästigung vor Einführung der neuen Landebahn überhaupt nicht erfasst wird und damit die gesundheitlichen Auswirkungen des zunehmenden Lärms nicht mehr quantifiziert werden können. In Mainz haben wir seit 2007 die Gutenberg-Gesundheitsstudie mit den relevanten Daten von bisher 13 000 Bürgern. In drei Jahren kann man dann sagen, welche Auswirkungen der Fluglärm auf die dort erfassten Parameter etwa in Bretzenheim, Hechtsheim oder Gonsenheim hatte.
Wie kann man konkret die aktuelle Entwicklung noch beeinflussen, viel Zeit ist ja nicht mehr.
Münzel: Speziell in Bezug auf die Kliniken muss das Land auf den Curved Approach (Kurvenanflug) pochen, welches eine Umfliegung garantieren würde. Das CDA-Anflugverfahren (Sink-Gleit-Flug), das deutlich schonender ist für die Flughafenanwohner als die bisher praktizierten Verfahren, darf ebenfalls nicht aus den Augen verloren werden, nur weil damit die Zahl der Flugzeuge reduziert werden muss. Es kann ebenfalls nicht sein, dass die Deutsche Flugsicherung angesichts der bekannten Gesundheitsgefährdung alleine über diese Flugroutengestaltung entscheidet. Dies überschreitet eindeutig ihre Kompetenz. Da muss das Bundesgesundheitsministerium mit eingeschaltet werden, und die hiesige Politik muss dafür sorgen, dass die in Berlin endlich mal reagieren und der Fluglärm gerecht verteilt wird. Wenn überhaupt, so meine ich, kann die Inbetriebnahme der neuen Landebahn nur vorläufig und unter strengsten Auflagen genehmigt werden.
Hoffart: Ein großes Manko ist meiner Meinung nach eine zu geringe Anzahl an Fluglotsen, was wiederum intelligente, anwohnerschonende Anflugverfahren nicht ermöglichen kann. Hier muss endlich mal eine konkrete Stellungnahme von der DFS kommen, inwieweit durch zusätzliche Einstellungen Entlastungen für die Gemeinden erzielt werden können. Ich fände es auch gut, wenn das Umweltbundesamt seine gesundheitlichen Bedenken bezüglich der neuen Landebahn konkret formuliert. Dies würde der Sache hier doch entscheidend helfen.
Das Interview führte Werner Wenzel
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