Juso im Schwäbischen, Linker in Eschborn
19.01.2011 - MAIN-TAUNUS
Von Angelika Heyer
LANDRATSKANDIDAT Fritz-Walter Hornung sieht Parallelen zwischen der ersten „Politisierung“ und seiner Rolle heute
Bürgermeister in Eschborn, das wäre für ihn der „Traumjob überhaupt“, sagt Fritz-Walter Hornung mit einem Schmunzeln - aber Landrat des Main-Taunus-Kreises, das würde ihm auch Spaß machen. Doch obwohl Hornung für genau dieses Amt des Landrats kandidiert, macht sich der 53-Jährige keine Illusionen, dass er es auch erreichen könnte. Der Bewerber der Partei „Die Linke“ weiß, dass er keine reale Chance hat - er will, wie schon im Herbst 2009 bei der Bundestagswahl, für seine Partei Flagge zeigen, die Fraktion im Kreistag stärken.
Die Politik betreibt der Volkswirt zwar ehrenamtlich, aber doch mit einem Zeitbudget, das er selbst bestimmen kann. Denn 2005 beendete er seine berufliche Laufbahn. Über ein Jahrzehnt war er Partner in der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers. In dieser Zeit sei er politisch nicht aktiv gewesen, sagt der 53-Jährige, nach dem Rückzug ins Privatleben habe er dann wieder angefangen, sich zu engagieren.
„Politisiert“ wurde Fritz-Walter Hornung schon in seiner schwäbischen Heimat Ingelfingen durch die 68er Bewegung und durch den Regierungswechsel 1969. Willy Brandt wurde Bundeskanzler. 1972 trat Hornung den Jusos bei. „In dem kleinen Ort für die Jusos aktiv zu sein war etwa so, wie für die Linke im Main-Taunus-Kreis“, sagt er heute. Als Helmut Schmidt 1974 Bundeskanzler wurde, sei er in die „innere Emigration“ gegangen.
Danach widmete sich Hornung erst einmal der beruflichen Laufbahn. Die Ausbildung zum Diplom-Verwaltungswirt im Landratsamt des Hohenloher Kreises habe sein Interesse für Wirtschaftsthemen geweckt, er entschloss sich zum Studium der Volkswirtschaftslehre. Die erste Stelle bei einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft führte in drei afrikanische Länder, in denen die Firma sich um Hilfsprojekte kümmerte: Burkina Faso, Botswana und Malawi. Damals habe er ein Faible für Afrika entwickelt.
Die Karriere brachte Hornung ins Rhein-Main-Gebiet, zeitweise als Finanzdirektor zu einer Luftfrachtgesellschaft, anschließend zur „Treuarbeit“, aus der durch Fusionen dann PriceWaterhouseCoopers wurde. Die in dieser Zeit nur passive Mitgliedschaft bei den Sozialdemokraten beendete der Wahl-Eschborner 1999, weil er deren Zustimmung zum Bundeswehreinsatz in Ex-Jugoslawien nicht folgen mochte.
Seit Hornung das Arbeitsleben beendet hat, ist er für die Linken in Eschborn aktiv, gibt ein Stadtmagazin im Internet heraus und steckt viel Zeit in das Hofheimer Montessori-Zentrum, wo seine Tochter zur Schule geht. Dort sei er sechs Jahre lang Finanzvorstand gewesen, sagt der Diplom-Volkswirt und habe wesentlich dazu beigetragen, dass es dort jetzt eine gymnasiale Oberstufe gibt. Im Verwaltungsrat der Schule ist der Vater immer noch aktiv und konstatiert: „Das ist natürlich ein ganz anderes Umfeld als bei den Linken“.
Die Leidenschaft für ferne Länder ist geblieben, Reisen Teil des Lebens. Von einer besonderen Tour hat Hornung sogar ein Buch geschrieben: „Gast in Nordkorea“. Anders als sonst sei er dort alleine (von zwei Reiseleitern und einem Fahrer begleitet/bewacht) unterwegs gewesen. Herausgekommen sei ein kritischer Bericht: „Sie werden nichts darin finden, was eine Lobeshymne auf Nordkorea ist“.

