Von Anja Baumgart-Pietsch
THEATERGASTSPIEL Tourneeauftakt in Hofheim / Zum Shopping geht Anita Kupsch nach Wiesbaden
Zuallererst fragt sie nach einer bestimmten Modekollektion - ob und wo man diese in Wiesbaden wohl kaufen kann. Anita Kupsch ist schick gekleidet und frisiert, vor ihrem Auftritt zwar voll konzentriert, aber dennoch aufgeschlossen und sehr freundlich, als wir sie direkt vor ihrem Gastspiel mit der Komödie "Schöne Geschichten mit Mama und Papa" in der Hofheimer Stadthalle treffen. Zum Shopping war sie bereits zweimal in Wiesbaden in den fünf Tagen, die sie schon in der Stadt logiert, denn in Hofheim findet die "Tournee-Premiere" für 2010 statt und muss gut vorbereitet werden.
Als Hypochonderin
Anita Kupsch weiß, wie die neuesten Trends aussehen und kann es sich auch absolut leisten, diese zu tragen. Auch wenn sie auf der Bühne dieses Mal zunächst ein altes Muttchen zu spielen hat, das sich dann aber im Laufe der Handlung zu einer ebenso schicken Lady mausert, wie es die Berliner Schauspielerin auch im richtigen Leben ist. Vielleicht ein wenig exzentrischer als die echte Anita Kupsch ist die Rolle angelegt, aber man nimmt der erfahrenen Darstellerin auch die Hypochonderin ab, die durch die Bekanntschaft mit einem anderen "eingebildeten Kranken" für beide einen sehr heftigen zweiten Frühling heraufbeschwört.
Weniger glaubt man ihr jedoch die Spanierin: Denn das Stück von Alfonso Pasa, soll unter südlicher Sonne spielen und Anita Kupsch heißt in dieser Rolle "Dolores". Doch diese Dolores hat eine eindeutige "Berliner Schnauze" - und das macht überhaupt nichts, denn Anita Kupsch, die wohl ihren größten Bekanntheitsgrad in der ZDF-Serie "Praxis Bülowbogen" erlangt hat, verleiht ihr eine eigene Note, die die Zuschauer mehr als einmal zu Szenenapplaus anregt. Kein Wunder, denn ihr Bühnenpartner Achim Wolff spielt ihr leicht und locker die Bälle zu. Und Wolfgang Spier - unglaubliche 90 Jahre alt, die man ihm nicht ansieht - führt hier nicht nur Regie, sondern spielt auch mit und steht den Abend durch wie seine vier jüngeren Ensemble-Kollegen.
Bald Gastspiel in Frankfurt
Genau wie Anita Kupsch: Sie stehe auf der Bühne, seit sie vier Jahre alt war, erzählt die Schauspielerin vor der Aufführung der "Komödie am Kurfürstendamm". Mit diesem Abend beginnt für das Ensemble eine Tour durch zahlreiche deutsche Städte, "die ich alle noch gar nicht auswendig zusammenkriege", sagt sie. Sehr anstrengend sei so eine Tournee, doch sie spielt so gern auf der Bühne, dass sie diese Strapazen gern auf sich nimmt.
Anschließend wird sie mehrere Wochen im Frankfurter Fritz-Remond-Theater gastieren mit dem zweiten der drei Stücke ihres aktuellen Repertoires: "Männer und andere Irrtümer". In diesem Ein-Frau-Stück spielt sie gleich 24 Rollen, es geht um eine vom Ehemann verlassene Frau. Offenbar schlüpft sie auch hier so überzeugend in die Charaktere, dass das seine Wirkung beim Publikum hat: "Einmal bekam ich einen Blumenstrauß von einer Zuschauerin geschickt", erzählt Anita Kupsch. "Sie habe sich nach dem Besuch der Vorstellung endlich getraut, ihren Mann zu verlassen, schrieb sie". Das dritte Stück, das sie aktuell an verschiedenen Bühnen spielt, heißt "Die Perle Anna".
"Drei Stücke hab´ ich also ständig im Kopf, die sich auch alle sehr voneinander unterscheiden", sagt die unermüdliche Akteurin, die das Spiel auf der Bühne mit großer Leidenschaft betreibt, obwohl sie im letzten Jahr vor Erschöpfung einige Monate pausieren musste. Doch in Hofheim - wo sie im übrigen vorher noch nie war - wirkt sie gut erholt und sehr präsent.
Vor dem 70. Geburtstag
Vom Fernsehen nimmt Anita Kupsch in letzter Zeit etwas Abstand. Das aktuelle Programm gefällt ihr auch nicht sehr. Besonders an den täglichen Soaps lässt sie kein gutes Haar. "Außerdem hat man da ja auch keinen Zuschauerkontakt, keinen Applaus", sagt Anita Kupsch, die die Reaktion des Publikums braucht und schätzt.
Was sonst noch für sie ansteht? "Das ist wohl mein 70. Geburtstag am 18. Mai", erzählt die Schauspielerin, die dann zwar im Fernsehen gewürdigt wird, am Ehrentag selbst jedoch verreist sein und ihre Ruhe haben will.

