Samstag, 11. Februar 2012 18:09 Uhr
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Wiesbadener Kurier

Hofheim 

Blaues Gottes-Zeichen als einziger Farbtupfer

26.06.2007 - LANGENHAIN

Von Christina Schultz

Führung durch das Haus der Andacht der Bahà`i/Tempel seit 1987 Kulturdenkmal

LANGENHAIN Bei einem Rundgang unter der Führung eines Gemeindemitglieds erhielten Besucher Einblicke in die Grundzüge der Bahà`i-Religion, erlebten die Wirkung des Tempels und erfuhren die Hintergründe für seine Gestaltung.

Dass täglich Besucher aus aller Welt, Wandergruppen, Schulklassen, Reisegruppen und Menschen, die einfach nur die Stille suchen nach Langenhain zum Haus der Andacht kommen, wundert die Bewohner des kleinen Ortes schon lange nicht mehr. Seit 1964 erhebt sich der architektonisch hervorstechende Kuppelbau auf der Anhöhe Langenhains, inmitten einer parkartigen Gartenanlage und frei von umgebenden Gebäuden. Dort hat die Religionsgemeinschaft der Bahà`i einen Tempel errichtet, das erste Haus der Andacht für den europäischen Kontinent, mitten im Rhein-Main-Gebiet. Das Haus stehe jedermann offen, der sich über die jüngste der Weltreligionen, die Bahà`i-Religion, informieren will, um die Ruhe und Stille des Hauses zu genießen, beim Gebet von den Unruhen des Alltags abzuschalten oder um einfach nur durch die Parklandschaft zu spazieren, erklärt Bahman Solouki, während seiner Führung durch die großzügige Anlage. Über die Volkshochschule Main-Taunus-Kreis bietet der promovierte Chemiker, mit Professur an der Frankfurter Uni, in bestimmten Abständen Rundgänge durch das Haus der Andacht und vermittelt Einblicke in die Grundzüge der Bahà`i-Religion. Einen ersten Eindruck gewinnen die Gäste im Besucherzentrum, einem großzügig und geschmackvoll gestalteten Aufenthaltsraum. Die Lehren des Religionsstifters Bahà` u`llàh ("Herrlichkeit Gottes"), geboren 1817 in Persien, basieren auf einer globalen Friedensordnung und umfassen alle Grundfragen menschlicher Existenz. Im Zentrum steht der Gedanke der Einheit der Menschheit, ungeachtet ihrer Herkunft, Religion und Hautfarbe. Auch der Besuch des Hauses der Andacht steht allen offen, gleich welcher Religionszugehörigkeit und Weltanschauung. Eindrucksvoll in ihrer Bauweise sind alle sieben Tempel der Bahà`i, die durch jeweilige individuelle Entwürfe einen unverwechselbaren Charakter erhalten haben. Doch ob in Wilmette (USA), Kampala (Uganda), Sidney (Australien), Panama City (Panama), Neu Delhi (Indien), Apia (Samoa) oder Hofheim-Langenhain, allen Häusern der Andacht auf der ganzen Welt liegt ein gemeinsamer gestalterischer Rahmen zugrunde. Schon auf dem Weg zum Tempel durch die gepflegte Grünanlage, die Stufen hinauf zum Eingang des imposanten Gebäudes, umfasst die Besucher ein Gefühl der Ruhe und Entspannung. Der Kuppelbau des Frankfurter Architekten Teuto Rocholl, der vom Land Hessen 1987 in den Kreis der Kulturdenkmäler aufgenommen wurde, erstrahlt seit seiner Renovierung wieder im ursprünglichen Glanz. 28 Meter hoch und 48 Meter im Durchmesser misst das Gebäude, neun Zuwege von allen Seiten führen darauf zu, und durch neun Eingänge gelangt man in den Innenraum, der von einem ringförmigen Gang umschlossen ist. Dreimal neun Pfeiler tragen die ellipsenförmige Kuppel. Licht durchflutet die 570 rautenförmigen Glasfenster, die entlang nach oben strebender Rippen angeordnet sind, und zwingen den faszinierten Betrachter, den Blick nach oben zu richten, ins Zentrum der Kuppel. Dort erscheint im Sonnenlicht, auf leuchtend blauem Grund, das Symbol der Anrufung Gottes, eine Kaligraphie in arabischen Schriftzeichen, übersetzt "Oh Herrlichkeit des Allherrlichen". Allein das blaue Zeichen hoch über dem Betrachter ist Farbe genug, Innen- wie Außenraum bestechen durch ihre Schlichtheit. Die Stuhlreihen sind auf ein Pult ausgerichtet, an dem zu den wöchentlichen Andachten Lesungen stattfinden. Jedermann ist aufgefordert zu lesen, nicht nur Schriften der Bahà`i, sondern aus allen Heiligen Schriften der Weltreligionen. Ausschließlich das Wort Gottes steht im Mittelpunkt der Betrachtung. Es gibt weder Ansprachen noch Predigten, auch Priester kennen die Bahà`i nicht. Die Andachtstexte werden von Laien vorgetragen. Der Aufforderung zur eigenen Suche nach Wahrheit und Erkenntnis kamen auch die Besucher der Führung nach. Still und in sich gekehrt nahmen sie die besondere Atmosphäre des Raumes in sich auf, ruhten wenige Augenblicke lang völlig in sich selbst. Bei Lesungen, von Besuchern vorgetragen, erlebte man die außergewöhnliche Akustik des Raumes: Jede noch so leise Stimme wird erfasst und dringt in jeden Winkel.


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