Von Christine Dressler
Konzert mit Clemens Bittlinger/ Zuhörer verspüren "Kraft" und "neue Impulse im Glauben"
WALLAU "Das besondere Konzert" versprach Clemens Bittlinger für seinen Auftritt in Wallau und hielt Wort: Die rund 80 Zuhörer in der evangelischen Kirche begeisterte die Mischung aus Texten, neuen und bekannten Liedern so sehr, dass sie zunehmend eifriger die Refrains mitsangen.
"Einfach toll macht er das", schwärmte ein älterer Wallauer schon in der Pause auf dem Rasen vor der Kirche, wo der Arbeitskreis Begegnung als Organisator des Konzerts die Besucher mit Brezeln, Wein, Wasser und Orangensaft stärkte und erfrischte. "Ich fühle mich jetzt irgendwie besser", bestätigte eine junge Zuhörerin, überlegte kurz und setzte hinzu: "Entspannter, zuversichtlicher." Das ging wohl vielen im Publikum so. Bittlinger zuzuhören bringe "einen zum Nachdenken" und "Innehalten" mache "froh", gebe "Kraft" und "neue Impulse im Glauben", fassten die Besucher ihre Begeisterung in Worte. So war es kein Wunder, dass sie am Ende den Tisch umdrängten, an dem Bittlinger neben Informationen zu Seminaren und der Christoffel-Blindenmission seine mittlerweile fast 20 CDs, Bücher und Liederhefte anbot, darunter das neue Buch "Gott tut gut" und die neue CD "Perlen des Glaubens". Er verstehe seine Lieder als "moderne Glaubensäußerungen, die mir selbst und anderen Mut und Trost verschaffen", erklärte der 46-jährige evangelische Pfarrer aus dem Odenwald, der zugleich Kommunikationswirt, Liedermacher, Autor, musikalische Botschafter der Christoffel-Blindenmission und zweifacher Vater ist. Seine Leidenschaft für die Musik entdeckte er vor gut 20 Jahren und verband sie professionell mit dem Pfarrerberuf, gibt pro Jahr 100 Konzerte, schreibt Bücher und Kolumnen und bietet Kreativ-Wochenenden in Bensheim an. "Die evangelischen Kirche in Hessen und Nassau hat mich für die musikalische Arbeit freigestellt." Weil Bittlinger die Botschaft "Gott tut gut" so überzeugend vermittle, das "Bedürfnis nach Spiritualität" ideal befriedige und damit bisher bei allen fünf vorherigen Konzerten in Wallau auf starken Widerhall stieß, habe ihn der Arbeitskreis Begegnung erneut eingeladen, erklärte Pfarrer Gerhard Hofmann. Da er wusste, wie sehr sich die Besucher auf das Konzert freuten, hielt er seine eigene Begrüßung zu Beginn extrem kurz, wünschte lediglich "einen wunderschönen Abend" und genoss ihn dann selbst. Von dem Würzburger Percussionisten Helmut Kandert und dem Schweizer Keyboarder David Plüss begleitet sang Bittlinger zur Gitarre Texte mit Zeilen wie "Völlig überladen tickt die Uhr voran", "Du hast es, ich hab es, keiner kann es kaufen", "Ich war wie geblendet, doch ich fand zurück" und seinen Top-Ten-Hit "Kostbare Momente". Immer wieder verwandelte er das Publikum in einen Chor, der etwa "Komm herein, ruh dich aus!" meditativ sang, bevor er "I saw stars, Iheard an angel sing, wake up" jubilierte und später 80-stimmig mit Bittlinger appellierte: "Ihr sollt ein Segen sein!" Mit Zurufen wie "Ich kann euch nicht hören!" oder Witzen wie dem, dass "die neugotische Schachtelbauweise der Kirche" wohl dafür sorge, dass er nur die Frauenstimmen höre, fachte der zum "Quotenkönig der Kanzel" gekrönte Musiker die Sangeslust so an, dass ihn das Publikum fast übertönte und Bittlinger es mitunter sogar allein singen ließ. Zwischen den Liedern erklärte er die Bedeutung der 18 "Perlen" von seiner in Schweden als "Katechismus für die Hand" entdeckten Gebetskette und las aus "Gott tut gut" vor: "Ich drücke die Klinke der alten Kirchentür. Sie ist offen ... Ich bin dankbar ... Gott tut gut." Er erzählte Lessings Ringparabel, berichtete von den regelmäßigen gemeinsamen Hausgottesdiensten mit einer moslemischen Familie, forderte alle mit "Wetteifert in der Liebe" zum Frieden auf. "Hab ich mich entfaltet mit jedem neuen Jahr?", sang Bittlinger dazu so Selbstkritisches wie er den Missbrauch von Gottes Namen als Rechtfertigung für Krieg, Mord und Gräuel anprangerte: "Leider hat, ohne dich zu kennen, deinen Namen viel zu oft missbraucht." Dabei ließen die kritischen Zeilen Bittlingers Lied-Appelle an seine Fans um so stärker wirken: "Auf der Grenze will ich glauben, weil ich dort die andern seh."

