Einst nach Hause geschwommen
10.08.2010 - WALLAU
Von Uli von Mengden
BURGFEST Heute wird in Erinnerung an die große Flut in Wallau kräftig gefeiert / Nachbarn helfen einander
Was am 8. August 1981 in Wallau passiert ist, das kann Dr. Lothar Manker erzählen, als sei es gestern geschehen. Binnen kurzer Zeit füllte der nach kräftigen Regenfällen über die Ufer getretene Wickerbach damals die Straßen Zur Burg und Mühlgasse mit seinen Wassermassen. Über einen Meter hoch stand das Wasser in den Straßen und lief sturzbachartig in die Keller und die tiefer gelegenen Wohnräume. Eine Katastrophe, auf die niemand vorbereitet war.
Großer Zusammenhalt
Der Keller eines Teppichhauses lief komplett voll und vernichtete den gesamten Warenbestand. Eine Existenz war vernichtet. Beispielgebend war die Nachbarschaftshilfe, mit der die Geschädigten einander beistanden. Gemeinsam mit der Feuerwehr wurde Wasser ausgeschöpft und ausgepumpt. Manche ließen ihre Boote zu Wasser.
Ich bin damals nach Hause geschwommen, erinnert sich Feuerwehrmann Thomas Raab, der den Einsatz begleitete. Dass das Wissen um diese urplötzliche Hochwasserkatastrophe im Unterdorf noch so lebendig ist, dazu trägt maßgeblich ein Fest bei, das aus diesem Anlass einmal im Jahr gefeiert wird. ,,Wir saßen abends völlig erschöpft bei mir im Hof, da drohte eine erneute Flutwelle, die aber zum Glück dann doch nicht kam, da haben wir beschlossen, zur Erinnerung an das Ereignis zu feiern“, erzählt Lothar Manker von der Geburtsstunde für das Straßenfest.
Ein Nachbar hatte die Idee, dass die Anwohner bei dem Fest aber nur als Gäste kommen sollten, die Arbeit würde man anderen überlassen. Und so löste sich das auch ein. Seit 29 Jahren wird zur Erinnerung an das Hochwasser im August das Burgfest gefeiert, bei dem im Wechsel die Feuerwehr und die Kerbegesellschaft für die Bewirtung sorgen.
Gut für Vereinskassen
Eine klassische „Win-Win-Situation“, wie es heute im Ökonomie-Deutsch heißen würde. Die Anwohner können den Tag genießen und ihre Erinnerungen auffrischen, die Vereine freuen sich, dass ihre Kassen durch den Verkaufserlös eine Auffrischung erhalten. Am Samstag sorgte die Kerbegesellschaft dafür, dass es frische Leckereien vom Grill gab und es an frisch gezapftem Bier nicht mangelte. Eine Besonderheit des Burgfestes ist, dass es keine Musik gibt. So wird die Erinnerungspflege nicht gestört und die vielen Geschichten von diesem und anderen Hochwasserereignissen in Wallau finden ihren Weg auch zu den nachwachsenden Generationen, die später auch noch auf dem Fest erschienen.

