Mediterranes Lebensgefühl auf der Piazza
26.07.2010 - WALLAU
Von Uli von Mengden
OPEN-AIR-KINO Großer Ansturm bei der ersten italienischen Nacht in Wallau mit Espresso-Mobil und „Maria, ihm schmeckt`s nicht“
In eine italienische Piazza verwandelte sich der ohnehin schon mediterran anmutende Recepturhof endgültig am Samstag. Die örtliche CDU hatte gemeinsam mit der Stadt, dem Volksbildungsverein und dem Förderkreis „Ein Kino für Hofheim!“ zu einer italienischen Nacht eingeladen. Diese bestand aus entsprechender Kulinarik und einem Film, der natürlich auch in „bella Italia“ spielte.
400 Besucher
„Der Ansturm ist enorm“, freute sich Ortsvorsteher Benjamin Hauzel, denn die Gäste strömten bereits ab 19 Uhr in großer Zahl zu den Tischen und Bänken. „Wir mussten immer mehr Garnituren anschleppen, um allen Sitzgelegenheiten zu bieten“, staunte CDU-Ortsvorsitzender Christian Vogt über die enorme Resonanz auf die Premiere des Open-Air-Kinos im Recepturhof. Schließlich bevölkerten rund 400 Menschen den Platz und genossen das „Dolce far niente“ (Das süße Nichtstun). Versüßt wurde ihnen die Anwesenheit freilich mit leckeren italienischen Vorspeisen.
Warmes Essen a la Italia kam von der angrenzenden Eisdiele, die in das gastronomische Gesamtkonzept mit einbezogen war. Ein „Espresso-Mobil“ komplettierte das Gefühl, sich in einer Vollmondnacht jenseits der Alpen zu befinden.
Zu Italien besteht seit 2008 seitens der Stadt Hofheim eine besondere Bindung, denn da wurde die Freundschaft zur Stadt Buccino an der Amalfi-Küste in der Region Kampanien begründet. Guiseppe Carleo, Gastronom aus Hofheim und aus Buccino stammend, leitete die Filmnacht mit einem Videofilm und Erläuterungen zu seiner Heimatstadt ein. Nach einem schweren Erdbeben 1980 wurde nahezu die gesamte Altstadt zerstört. Bei den Arbeiten zum Wiederaufbau entdeckte man eine antike Stadt mit bedeutsamen archäologischen Funden. Rund 6500 Einwohner leben heute auf der vergleichsweise riesigen Fläche von 60 Quadratkilometern. Tourismus und das weit über die Grenzen hinaus bekannte Olivenöl bilden wichtige Einnahmequellen.
Nahtlos ging es vom Anschauungsunterricht zur Partnerstadt und dem gut angelaufenen Austauschprogramm zum Film über. Ausgesucht hatten sich die Organisatoren mit „Maria, ihm schmeckt`s nicht“ nach dem Roman-Bestseller von Jan Weiler eine leichte Sommerkomödie, bei der reichlich Italienisch mit deutschen Untertiteln gesprochen wird. Das verschaffte eine ebenso authentische Atmosphäre wie die blendenden Darsteller, die so ziemlich alles verkörperten, was hierzulande einem „typischen Italiener“ an Rollenerwartungen angehängt wird.
Familie von Chaoten
Es entwickelte sich eine rasante Story, in der ein Deutscher spontan beschließt, seine italienische Freundin in deren Heimatland zu heiraten. Das sollte er schnell bereuen, denn deren Familie erweist sich als Ansammlung von Chaoten, unter denen der künftige Schwiegerpapa im Inszenieren von anarchistischen Situationen echte Meisterschaft entwickelt. Die nölige deutsche Ehefrau, ein Mitbringsel aus seiner Gastarbeiterzeit, leistet gemeinsam mit der trägen Bürokratie ihr Übriges, um das Unternehmen gründlich scheitern zu lassen.
Es wird viel Auto gefahren und noch mehr gegessen. Ein Film, der geschickt die Vorurteile der beiden Nationen zu einer Ansammlung von komischen Situationen zu nutzen weiß. Einfach zum Brüllen komisch. Gegen Mitternacht fiel der Vorhang.

