Von Christine Dressler
MUSICAL Hofheimer Schüler fiebern der Premiere von "Folly Lane" am Sonntag entgegen
"Wir fangen gleich mit dem 2. Akt an - 1. Szene Waschmittelwerbung", donnert Lehrer Roman Christian durch die Aula der Gesamtschule Am Rosenberg. Leiser kann er sich kein Gehör im Stimmengewirr der 140 Jugendlichen verschaffen, die beim Musical "Folly Lane" mitmachen. Nach einem großen Lob für Chor und Band prasseln Christians Befehle in den Saal: "Fred und Flitwick auf die Bühne! Dick, Tom! Los an die Arbeit! Desiree, zackzack!" Alle, die an der Szene beteiligt sind, rotieren.
Hiphop der Bauarbeiter
Während die "Filmcrew" Waschmaschine, Kamera und Klappstuhl heranschleppt, kriechen die "Bauarbeiter" ins Zelt. Sie werden die ohnehin vom Pech verfolgten Filmaufnahmen später mit ihrem Hiphopgegröle vermasseln. Band, Chor und Solistinnen gehen auf Position. "Alles bereit?", fragt Christian. "Ja!", ertönt es vielstimmig. Der Gesamtleiter brüllt "Ruhe!" durch die Aula, der Lärm erstirbt schlagartig und die Probe beginnt. Obwohl die skurrilen, witzigen Szenen sie immer wieder selbst zum Lachen bringen, arbeiten alle konzentriert. Denn die erste Aufführung findet bereits am Sonntag, 5. Juli, um 16 Uhr statt. Neben einer schulinternen gibt es drei weitere öffentliche Vorstellungen an jedem Abend von Montag, 6. Juli, bis Mittwoch 8. Juli, um 20 Uhr.
Seit Schuljahresbeginn studieren die Fünft- bis Zehntklässler Kenneth Leapers Musicalhit ein. 80 Prozent von ihnen bringen zudem Erfahrung aus vorangegangenen Musicals mit, da die Schule seit 1987 jedes Jahr eines inszeniert und da meist dabeibleibt, wer einmal Theaterblut geleckt hat. Das Lehrerquintett feilt an letzten Details. Regisseurinnen Silke Langhans und ihre Assistentin Elke Becker konzentrieren sich auf die 32 Darsteller, Maike Respondeck auf die 19 Tänzerinnen, Melanie Christmann auf die 50 Mädchen und Jungen, die im Stück 21 Lieder singen, und Christian vor allem auf die zwölfköpfige Band, Gesamteindruck und Technik. Dafür sorgen je drei Ton- und Lichttechniker. Das Ensemble vervollständigen zwölf Maskenbildnerinnen und ein 15-köpfiges Bühnenbildnerteam, das für die allein schon sehenswerte Straßenkulisse sorgte.
Vor dieser Kulisse spielt sich in einer neuen Bearbeitung die bissig-witzige Soap-Satire ab, mit der die Schule bereits 1989, 1994 und 2003 Erfolge feierte. "Es ist einfach ein optimales Stück für uns, weil es viele Rollen hat, die aber alle nicht sehr umfangreich sind", erklärt Christian. Dazu besticht der Inhalt. Er vereint die Haupthandlung - mit pfiffigen Nebensträngen vom Ehestreit bis zum Tanzschulbetrieb und unterschiedlichste Charaktere. Weil Cafébesitzer "Fred" seinen Hotdog-Umsatz steigern will, sucht seine Angestellte und Freundin "Charlotta" in der "Folly Lane" nach der perfekten Stimme für den Werbejingle. Dabei trifft sie unter anderem auf einen Fensterputzer mit Höhenangst, eine naive Hausfrau, eine feministische Polizistin, eine Putzfrau auf Weltfriedensmission und einen Macho-Milchmann, der sich selbst zur Milch liefert. Viele Szenen enden dazu anders als erwartet.
So verliert der völlig überforderte Werbefilmregisseur zwar seinen Job, findet dafür aber einen neuen - als Bürgermeister. Jetzt hoffen alle auf viele Besucher bei den vier Vorstellungen. "Um die Kosten zu decken, müssen wir rund 6000 Euro einspielen", sagt Christian. Die Aufführung dauere mit Pause rund zwei Stunden und ist für alle ab sechs Jahren geeignet. Karten zu fünf Euro für Kinder und Jugendliche oder zehn Euro für Erwachsene gibt es in Bürgerbüro und Schule.

