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Wiesbadener Kurier

Hochheim 

Schuften für Gorilla-Babys

28.08.2009 - MASSENHEIM

Von Angelika Heyer

ARBEITSEINSATZ Massenheimer Abiturientin geht für drei Monate nach Kamerun

"Gorillas im Nebel": Der Film nach dem Buch der berühmten amerikanischen Verhaltensforscherin Dian Fossey, die viele Jahre bei "ihren" Berggorillas in den Vulkanbergen Ruandas verbrachte, hat das Bild von den bedrohten Menschenaffen geprägt. Auch Yana Wernicke, Abiturientin aus Massenheim, hat ihn gesehen. Und wird nun selber für drei Monate nach Afrika zu den Gorillas gehen. Wenngleich nicht auf Fosseys Spuren in Ruanda, sondern nach Kamerum, wo das "Limbe Wildlife Centre" ein Waisenhaus für Gorillas (besonders die seltenen Cross-River-Gorillas) und andere Wildtiere unterhält.

"Ich habe mich schon immer sehr für Affen interessiert", sagt die 19-Jährige, die nach dem Abitur jetzt erstmal für ein Jahr die Welt kennenlernen möchte. Ganz pragmatisch machte sie sich im Internet auf die Suche nach Projekten, in denen sie mitarbeiten könnte. Auch Schutzinitiativen für Orang Utans auf Borneo weckten ihr Interesse, doch letztlich entschied sie sich für Kamerun, weil es ihr als das einzige recht sichere Land erschien, in dem sich eine Arbeit als Freiwillige anbot.

Affen-Waisenhaus seit 1993

Yana Wernicke findet es passend, gerade 2009, das von den Vereinten Nationen zum "Jahr des Gorillas" ausgerufen wurde, in ein Projekt zum Schutz der vom Aussterben bedrohten Menschenaffen zu gehen. Die Zerstörung des Regenwaldes und Wilderei (das begehrte "Buschfleisch" werde oft sogar in die USA exportiert) machen der Gorilla-Population zu schaffen. Yana Wernicke wird als "Volunteer" (Freiwillige) im "Limbe Wildlife Centre" mitarbeiten. Dieses Affen-Waisenhaus in dem kamerunischen Fischerstädtchen wurde 1993 eröffnet. Mittlerweile wird es von der nicht staatlichen Artenschutzorganisation "Pro Wildlife" mit Sitz in München unterstützt und bietet etwa 200 Affenwaisen eine Zuflucht - darunter vorallem Gorillas, aber auch Schimpansen, Mandrills, Meerkatzen und andere Arten. Ein Team von über 30 Biologen, Tierärzten und Pflegern kümmert sich um die Jungen, deren Mütter meist Wilderern zum Opfer fielen. Die kleinen Affen müssen nicht nur körperlich aufgepäppelt, sondern nach dem Verlust ihrer Mutter auch psychisch stabilisiert werden.

Yana Wernicke weiß, worauf sie sich einlässt. Wenn sie in Kamerun ankommt, ist Regenzeit, das Klima feucht und heiß. Zahlreiche Impfungen, unter anderem gegen Gelbfieber, verstehen sich von selbst, ebenso Malaria-Prophylaxe in dem stark von Malaria betroffenen Gebiet. Ein Moskitonetz gehört ebenso in ihr Gepäck wie feste Schuhe, die sie im Zweifelsfall auch gegen Schlangenbisse schützen sollen, sagt die Abiturientin - aber vielleicht sei ihr das ja auch nur so gesagt worden. In dem Tier-Waisenhaus werde sie wohl alles machen, "was so anfällt", zum Beispiel saubermachen oder Essen für die Tiere zubereiten. Die Affenkinder hätten wohl alle ihre festen Bezugspersonen, da könne sie in so kurzer Zeit natürlich nicht reinwachsen - aber auf Kontakt mit den Tieren hofft sie natürlich trotzdem.

Psychisch nicht einfach

Auch psychisch werde die Situation nicht immer leicht zu verkraften sein, hat die 19-Jährige im Rahmen ihrer Bewerbung erfahren. Unter anderem deshalb, weil die Mitarbeiter der Station immer wieder mit toten Tieren konfrontiert werden. Deshalb gehörten neben einem "Motivationsschreiben" auch Referenzen zu der Bewerbung, die bestätigen mussten, dass sie den Aufenthalt psychisch bewältigen könne.

Neben der Begegnung mit den Menschenaffen kann Yana Wernicke auch damit rechnen, viele Kameruner zu treffen. Denn das Wildlife Centre versteht sich nicht nur als Auffangstation für verwaiste oder verletzte Tiere, sondern will auch jährlich über 40000 einheimischen Besuchern die Einzigartigkeit der Tierwelt in ihrer Heimat vermitteln. Kommunikationsprobleme dürfte es für die Massenheimerin kaum geben. Denn in diesem Teil Kameruns wird Englisch gesprochen.

Auf Yana Wernicke wartet eine Reise ins für sie bislang unbekannte Kamerun.RMB/Margielsky


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