Die Couch im Hummelpark
27.10.2011 - HOCHHEIM
Von Mirja Pütz
MÜLLAKTION Landesweiter „sauberhafter Geschäftstag“ in Hochheim gestartet
Ganz Hessen sammelt am Freitag Müll. Nur eine kleine rührige Stadt inmitten der Weinberge kann den „Sauberhaften Geschäftstag“ gar nicht erwarten und hat schon vorher angefangen, Abfallberge zusammenzutragen. 15 Hochheimer Verwaltungsangestellte sind im Diether-Hummel-Park ausgeschwärmt, um achtlos entsorgtem Müll den Kampf anzusagen. Dazu kommen die Mitarbeiter von Tetra Pak, die sozusagen direkt vor ihrer Tür kehren und Mitarbeiter der Stadt. Am Freitag werden rund 1500 Beschäftigte in ganz Hessen eine Stunde ihrer Arbeitszeit investiert haben, um die Lebensqualität ihres Umfeldes zu verbessern.
Das Fundstück des Tages wuchten Mitarbeiter der Stadtwerke in den bereitgestellten Container: Eine ganze und nicht einmal besonders abgewohnte Couch. Wieder ein Moment mehr, in dem Bürgermeisterin Angelika Munck einfach nur ratlos den Kopf schütteln kann: „Ein Anruf und die Couch wird direkt vor der Haustür abgeholt. Warum machen sich die Leute die Mühe und schleppen das Ding in die Pampa?“
Problem seit Generationen
Eine Antwort auf diese Frage hat die Bürgermeisterin auch nach jahrelangem Kopfzerbrechen noch nicht gefunden. Der Sperrmülldienst ist in den Abfallgebühren bereits enthalten und in Hochheim stehen ausreichend Müllkörbe zur Verfügung. Trotzdem werden jedes Jahr Unmengen von Abfall aus Grünanlagen, von Parkplätzen und Baumscheiben gezogen. Kein Generationsproblem, sondern eher ein Problem, dass sich seit Generationen hält, hat Angelika Munck beobachtet.
Diese Einschätzung kann Helga Korinth nur bestätigen. Die Mitarbeiterin des Grünflächenamtes hat nach einer halben Stunde Arbeit, zusammen mit ihrer Kollegin Henny Mader, rund fünf Kilo Müll aus Hecken und Wiesen gefischt. „Seit 20 Jahren sitze ich im Amt und das Problem zieht sich durch“, sagt Korinth „und genau das ist auch das Enttäuschende“. Schulen und Kindergärten arbeiten zwar an der Sensibilisierung des Nachwuchses, weiß die Bürgermeisterin, „aber das Elternhaus muss das berühmte gute Vorbild sein“.
Deshalb sieht es Angelika Munck gerne, wenn Eltern und Kinder zusammen an Sammelaktionen teilnehmen. Dafür ist der „Sauberhafte Geschäftstag“, der offiziell für den Freitag ausgerufen ist, allerdings nicht gedacht. Während der Geschäftszeit ziehen sich die Mitarbeiter Arbeitshandschuhe über, schnappen sich eine Greifzange und legen einfach los. Notfalls auch im Anzug, wie die Geschäftsführung von Tetra Pak eindrucksvoll beweist. Am Ende des Tages haben insgesamt 67 Angestellte, acht Kubikmeter Müll gesammelt.
„Sie haben gezeigt, dass es keiner großen Taten bedarf, um Mitbürger zu sensibilisieren“, lobt Edgar Freund vom Umweltministerium die Freiwilligen der Auftaktveranstaltung. Für die Angestellten ist die Aktion sogar noch ein wenig mehr, sagt Svend Weidemann, Geschäftsführer von Tetra Pak: „Es ist auch ein Team-Event, das zusammenführt und Spaß macht.“

