Diskussion über Fluglärm wird über die Köpfe der Kinder hinweg geführt
08.12.2011 - FLÖRSHEIM
Von Hildegund Klockner
„Was geht mich der Flughafen an?“ Das war das Thema eines Info-Nachmittages, zu dem die Mobile Beratung junge Flörsheimer in den Jugendtreff „Güterschuppen“ eingeladen hatte. Bewusst hatte der Leiter Markus Singer keine große Werbung gemacht: „Ich wollte weder Fraport-Prospekte noch Transparente von engagierten Bürgern bei diesem sehr emotionalen Thema dabei haben.“ Den Jugendlichen ab zehn Jahren sollten das Thema und die Problematik „jugendgemäß präsentiert“ werden. Markus Singer vermisst, dass bei der ganzen Diskussion „die Kinder wahrgenommen werden, wenn sich unsensible Erwachsene in Foren austauschen.“
Landebahn verliert an Boden
Claudia Dörhöfer, Mitarbeiterin der Mobilen Beratung und selbst eine aktive Gegnerin der neuen Landebahn, hat sich mit einem Piloten der Lufthansa besprochen, um „die Jugendlichen neutral über das Fluglärmproblem aufzuklären.“ In einer ersten Fragerunde konnten sich die Teilnehmer an einer Linie von „für“ über „ausgewogen“ bis „gegen“ die neue Landebahn einordnen. Waren zu Beginn des Nachmittags alle Positionen vertreten, so war in der Fragerunde am Ende niemand mehr für die neue Landebahn.
Jonas kam aus Hattersheim und hat als nicht unter der Einflugschneise Lebender vieles neu dazugelernt. Er sieht die rechtliche Problematik, wenn „hier Ziegeln von den Dächern gerissen werden, und es nicht klar ist, wer für den Schaden aufkommen muss“. Alexander als Tierfreund äußerte sich entsetzt, dass die Vögel massiv gestört werden und in den Turbinen der Flugzeuge über Eddersheim „zerfetzt“ werden. Lars geht der Fluglärm „auf den Nerv“. Er sieht sich in seiner Freiheit eingeschränkt, weil er sich „bei dem Krach nicht mehr ins Freie traut“. Er stellte der Runde die Frage, ob Kerosin nicht nur die Pflanzen kaputtmache, sondern „Menschen gar süchtig?“ Hier gab Claudia Dörhöfer zu bedenken, dass dieser Zusammenhang noch nicht erforscht ist, „aber krank macht Kerosin auf jeden Fall“.
Emma war von dem Lärm-Experiment mit einem Lärmbestimmungsgerät an diesem Nachmittag angetan: „Ich hätte nicht gedacht, dass wir zusammen nicht mehr Lärm als 70 Dezibel hinbekommen haben.“ Die Teilnehmer sollten brummen, was - so Markus Singer - noch relativ angenehm klang. Aber die Jugendlichen waren sich sicher: „Aber nicht, wenn ich Kopfschmerz habe oder für eine Arbeit lernen muss.“
Die anwesenden Jugendlichen wollen erneut zu einer Diskussionsrunde vorkommen, wenn wieder eine eigene Meinungsbildung erwünscht ist. Sie schlugen als mögliche Themen vor: Mediennutzung, Politik, Gesundheit und Sport.


