Krach um den Veranstaltungskalender
03.09.2010 - EPPSTEIN
Von Uli von Mengden
KULTURVERANSTALTUNGEN Gastronom im Stadtbahnhof ist nicht gut auf das Rathaus zu sprechen / Kampf mit Baumängeln
Zwischen der Stadt als Verpächterin der Gastronomieräume im Bahnhof und Ralf Otto, Inhaber des Café-Bar-Restaurants „Wunderbar Weite Welt“, scheint es atmosphärische Spannungen zu geben. Auslöser ist der Wunsch des geschäftstüchtigen Gastronomen, dass die Stadt auf ihrer Internetseite auch die zahlreichen Musikveranstaltungen ankündigt, die in der „Wunderbar“ über die Bühne gehen.
Absage
Den abschlägigen Bescheid aus dem Rathaus mit dem Hinweis auf kommerzielle Interessen kann Otto nicht verstehen. In seinem Mietvertrag mit der Stadt sei doch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass er sich verpflichten müsse, kulturelle Veranstaltungen durchzuführen. Dafür wünsche er sich nun auch entsprechende Kooperationsbereitschaft. In der Regel seien Musikveranstaltungen bei seiner möglichen Raumausnutzung bis zu 100 Personen ein Zuschussbetrieb. Insofern liefere er private Subventionen für kulturelle Ereignisse, die überregional, auch zum Nutzen der Stadt, bedeutsam seien.
Gesprächsangebot
Eppsteins Erster Stadtrat Alexander Simon (CDU) hält sich gegenüber den Vorwürfen bedeckt. Das sei eine Sache, die man im persönlichen Gespräch besser klären könne, gab er gegenüber dem Kurier Auskunft. Zu bedenken gäbe es generell, dass die Stadt mehrere Immobilien vermiete, die zu gastronomischen Zwecken genützt würden. Seine Verwaltung sehe es nicht als ihre Aufgabe an, Werbung für Wirte und ihre Veranstaltungen zu machen.
Glücklich scheint Ralf Otto nach drei Jahren „Wunderbar“ im Bahnhof nicht zu sein. Dafür habe er sich zu lange mit Baumängeln in dem von der Stadt gekauften und für 2,5 Millionen Euro umgebauten Bahnhof herumschlagen müssen. Fehlende Schallschluckdecke, Fäkalgeruch durch fehlende Siphons und eine nicht funktionierende Lüftungs- und Klimaanlage, gibt er in seiner Mängelliste an. Gehandicapt worden sei sein Betrieb in der Vergangenheit auch durch die lange Sperrung der B455, die Sperrung der Sandsteinbrückenzufahrt und den Bau der Fußgängerbrücke.
Baustellen-Ärger
Jetzt befürchtet Otto, dass sich mit dem Baubeginn für den Eisenbahntunnel die Parkplatzsituation für seine Gäste weiter verschlechtert. Die Parkplätze jenseits der Bahnlinie fielen ganz weg und zusätzlich plane die Stadt auf dem Bahnhofsvorplatz noch eine Buswendeschleife, die weitere Parkplätze wegnähme. „Das ist wenig einfühlsam“, kritisiert der Betreiber der „Wunderbar“.
Stadtrat Simon informierte, dass sich die angedachte Buswendeschleife erst im Prüfstadium befinde. Zu den Überlegungen bei der Realisierung dieser Verbesserungsmaßnahme für den öffentlichen Nahverkehr gehöre aber auch, dass der „Wunderbar“ und dem Bürgerbüro die dann noch vorhandenen Parkplätze direkt zugeschlagen würden.

