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Eppstein 

Der "Lichtbaum" Eiche braucht viel Hilfe

28.10.2008 - EPPSTEIN

Von Angelika Heyer

Kinder setzen frisch gesammelte Eicheln in den Boden/Anerkannte Saatgutbestände

EPPSTEIN Etwa 200 Kinder betätigten sich auf mehreren Lichtungen im Revier Eppstein als "Eichhörnchen". Sie setzten Eicheln in den Boden, aus denen die nächste Baum-Generation nachwachsen soll.

Eichen haben es in unseren Wäldern gar nicht so leicht, für "Nachwuchs" zu sorgen. Wollte man darauf warten, dass allein aus den herabfallenden oder von Eichhörnchen im Boden vergrabenen Eicheln neue kleine Bäume sprießen, dann würde es wohl nur selten eine kleine Eiche zu einem großen Baum schaffen. Zwar würden die Eicheln von alleine keimen, Wurzeln schlagen und anwachsen - doch auch bald wieder eingehen. Denn die Eiche ist ein "Lichtbaum", sagt der Eppsteiner Revierförster Peter Lepke. Und weil die Eiche so viel Licht braucht, benötigt sie auch Hilfe. Denn die schnell wachsende "Begleitflora" (wie Brombeeren) auf einer Lichtung wächst schneller und muss deshalb von Menschenhand kurz gehalten werden. Anders übrigens bei der Buche. Weil sie Schatten verträgt, kommen die nachwachsenden Bäumchen gut alleine zurecht. Für die gewünschte Naturverjüngung der Eichenbestände gibt es die anerkannten Saatgutstellen (eine davon hinter dem Forsthaus des Eppsteiner Reviers bei Oberjosbach) - und die "Aktion Eichhörnchen". Letztere ist ein ursprünglich in Schleswig-Holstein initiiertes Pilotprojekt, mit dem nun Hessen-Forst und der Verein "Waldsaat" Kindern ein Gefühl für die Natur vermitteln und gleichzeitig die Saat für neue Bäume ausbringen wollen. Etwa 200 Kinder aus Frankfurter Schulen schwärmten gestern hinter dem Forsthaus aus, um sich als "Eichhörnchen" zu betätigen. Erst sammelten sie Eicheln, dann setzten sie sie in kleinen Lichtungen etwa fünf Zentimeter tief in den Boden. Obwohl die Samen im kommenden Frühjahr von alleine keimen, ist die Saat insgesamt eine aufwendige Sache, wie Lepke erläutert. Zunächst einmal dürfen nur Eicheln von den staatlich anerkannten Saatgutstellen verwendet werden. Eine solche etwa 30 Hektar große Fläche mit 1800 bis 2000 (zum Teil 200 Jahre alten) Eichen liegt hinter dem Forsthaus. Nur alle vier bis fünf Jahre tragen die Bäume ausreichend - diesen Herbst fast nichts. Deshalb mussten Eicheln aus dem gesamten Waldstück zusammengeklaubt werden. Auch die drei Lichtungen, auf denen junge Bäume nachwachsen sollen, brauchen Aufmerksamkeit und Pflege. Zunächst sind es die Wildschweine, die die Eicheln wieder ausgraben, danach die Rehe, die junge Triebe abäsen. Deshalb müssen die Stücke eingezäunt werden. "Und wir kämpfen mit der Begleitflora", sagt Lepke. Deshalb arbeite das Forstamt auch überwiegend nicht mit der Saat, sondern mit jungen Pflanzen, die schon einen gewissen Wachstumsvorsprung haben. Sind die Bäumchen dann - nach etwa zehn Jahren - um die 1,50 Meter hoch, können auch die Zäune fallen. Das Saatgut für die Variante mit den Jungpflanzen wird ebenfalls von den anerkannten Saatgutstellen gewonnen, die sich durch besonders gut gewachsene alte Exemplare auszeichnen. Sind die Ernteaussichten gut, dann kommen Kollegen von der Samendarre, legen Netze aus und sammeln die Eicheln ein. Mit Herkunftszertifikaten versehen und verplombt werden diese dann säckeweise abtransportiert und anschließend in der Hessischen Samendarre getrocknet und kühl gelagert. Dort (oder in Baumschulen) lässt man die Saat keimen und pflanzt sie später aus. Auf den Lichtungen, auf denen gestern die Kinder fleißig waren, braucht man solche Jungpflanzen nicht mehr. Hier werden bei der geschilderten Pflege in 20 bis 40 Jahren so große "junge" Eichen stehen, dass die über 200-jährigen Exemplare teilweise geerntet werden können. Aber eben erst dann, wenn diese nächste Generation groß genug ist. "Denn wir wollen ja nachhaltig wirtschaften", sagt Lepke. Ergänzt durch das Ziel, dass die Bäume möglichst viel Kohlendioxid aus der Luft binden, wie es auch die "Aktion Eichhörnchen" als Wunsch formuliert.

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