Hat Kirche vor Ort noch eine Zukunft?
05.02.2010 - OBERJOSBACH
BISTUM Pfarrgemeinderat von St. Michael in Oberjosbach hat Angst vor einer Zwangsfusion / Neue Strukturen für benachbarten Untertaunus
(mg). Hat Kirche vor Ort noch eine Zukunft? Soll es sie überhaupt noch weiter geben? Wenn ja, wie könnte sie aussehen? Diese Fragen beschäftigten den Pfarrgemeinderat von St. Michael in Oberjosbach seit geraumer Zeit und voll Sorge blickt er zu den bevorstehenden Entscheidungen vom Bistum. Aufgrund der Äußerungen von Bischof Tebartz van Elst und den schon in anderen Bezirken durchgeführten "Fusionierungen" von Pfarrgemeinden befürchtet auch der Pfarrgemeinderat von St. Michael eine solche Entscheidung. Nach der Visitation im Mai/Juni im vergangenen soll im März zuerst den Priestern, hauptamtlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, den Pfarrsekretärinnen und zu allerletzt den Pfarrgemeinderäten die Entscheidung des Bischofs bezüglich der Neustrukturierung des Bezirks Untertaunus bekannt gegeben werden.
Wachsender Priestermangel
Die Grundlinie des Bistums lautet derzeit: "Kirche entsteht dort, wo sie sich zur Feier der Eucharistie versammelt." Aufgrund des wachsenden Priestermangels und zurückgehender Katholikenzahlen sei darunter zu verstehen, "uns Katholiken den sonntäglichen Aufbruch in sogenannte Zentralkirchen zu verordnen", heißt es in einem Brief des Pfarrgemeinderates weiter. "Verordnen heißt hier auch, dass die synodalen Gremien in diesen Entscheidungsprozess nicht mit einbezogen werden - es werden Entscheidungen nur noch verkündet".
Der Oberjosbacher Pfarrgemeinderat sieht die Notwendigkeit, die Vorstellungen und Lösungen des Bistums nicht einfach hinzunehmen. "Die Vorstellung einer lebendigen Gemeinde vor Ort wird hier gelebt. Und da, wo Kirche vor Ort nicht mehr anzutreffen ist, da verliert sie ihre Sichtbarkeit. Seelsorge ist und bleibt aus unserer Sicht eine Aufgabe, die im Wesentlichen vor Ort geschehen muss und seelenlos wird, wenn sie ihren Ort verliert". Wenn sich das Bistum von der Kirche vor Ort verabschiede, "heißt das aus unserer Sicht auch, dass die Anonymität unter den Kirchenbesuchern zunimmt und damit verbunden die Kirche noch mehr Mitglieder verlieren wird". Dabei sollte es aus Sicht des Oberjosbacher Pfarrgemeinderates die Aufgabe der Kirche sein, der Anonymisierung unserer Gesellschaft entgegen zu wirken und in der Kirche vor Ort einen Kontrast dazu erfahrbar machen. Gemeinsam Strategien und Lösungswege zu suchen, um den Entscheidungen des Bistums etwas entgegensetzen zu können, ist das Ziel einer Pfarrversammlung am 7. Februar um 19 Uhr (nach dem Gottesdienst) in der Kirche St. Michael in Oberjosbach.
"Nicht nur Steuerzahler"
In der Einladung des Pfarrgemeinderates heißt es weiter: "Sie sind nicht nur Kirchensteuerzahler, sondern Mitglied einer lebendigen Christengemeinschaft in einer modernen Gesellschaft und eingeübte Formen demokratischer Mitgestaltung in unserer Christengemeinschaft können nicht mehr zurückgedreht werden!"

