Von Richard Hörnicke
KONZERT Haydns „Schöpfung“ in St. Bonifatius
Prächtiger, in Ausgewogenheit und Differenzierung fesselnder Chorklang in St. Bonifatius: Gabriel Dessauer gestaltete mit Chor, großem Kinderchor und Mitgliedern des Wiesbadener Hessischen Staatsorchesters Joseph Haydns Oratorium „Die Schöpfung“. Von den einleitenden Takten der Schilderung des Chaos und dem überwältigenden „Es ward Licht“ an gelang es Dessauer dank eines engagierten Dirigats, eine nie abreißende Spannung zu erzeugen. Die Chöre folgten ihm mit erstaunlicher Präzision und fesselnder Ausdruckskraft, wendig und gleich überzeugend in Piano und Forte, das sich in den Lobpreisungen zu majestätischer Größe steigerte. Der übermäßig starke Nachhall im großen Kirchenraum machte es dabei schwer, die polyfon komponierten Passagen besonders in den schnellen Sätzen zu verfolgen. Mit diesem akustischen Nachteil mussten sich auch die Solisten auseinandersetzen. Nur Sopranistin Friedgard Teschemacher konnte sich mit klarem, glockig aufstrahlendem Sopran behaupten. Tenor Wolfgang Klose und Bassist Florian Küppers warteten mit schönem Stimmmaterial besonders in den Rezitativen auf, waren aber in den unteren Lagen bei stärkerem Orchesterklang kaum mehr zu hören. Die starke Wirkung der Lobpreischöre im ersten Teil des Oratoriums fanden dann im Schlusschor des dritten Teils noch einmal zu imposanter Wucht und Fülle.
Das Orchester war Chor und Solisten mit sehr schönen Instrumentalsoli ein zuverlässiger, wendig agierender Partner. Überaus herzlicher, lange anhaltender Beifall.


