Von Doris Kösterke
KIRCHENMUSIK Der „Messiah“ in Idstein
Unaufgeregte Leichtigkeit prägte die Interpretation des „Messiah“ in der Katholischen Pfarrkirche St. Martin unter der Leitung von Franz Fink. Das Klangideal einer historisch informierten Aufführungsprasis stellte den Hörwinkel bereits in der eröffnenden „Symphony“ auf eine eher introvertierte Grundhaltung ein.
Passende Verzierungen
In einem mit passenden Verzierungen angereicherten „Comfort ye“ ergoss Ulrich Cordes seinen weich timbrierten Tenor wahrhaftig tröstend über die Zuhörer. Eine in lichter Höhe verankerte, ins Schwarze reichende Tiefe zeichnete den Bassisten Markus Flaig aus. Bestens aufgelegt wirkte auch Altus Andreas Scholl. Seine in der Arie „But who may abide the day of His coming” in blühenden Höhen gestellten Fragen fanden im Main-Barockorchester Frankfurt ein geschmeidig fortführendes Echo. Seine Arie „He was despised“ war der gestalterische Höhepunkt des gesamten Konzerts.
Pianistin Katia Plaschka bezauberte ganz besonders in ihrer Arie „I know that my Redeemer liveth“. An dem um die jugendlichen „Martinis“ bereicherten Chor St. Martin gefiel die schlanke, vibrato- und druckfreie Stimmkultur, vor allem die strahlend schwebenden Sopranstimmen. Die Verankerung im Höhenklang bedingte auch eine sichere Intonation. Bemerkenswert sauber und klangschön agierten die beiden Barocktrompeter. Die Länge des handlungslosen Werks - auch die Idsteiner Aufführung füllte mit Pause und verdienten Ovationen ihre drei Stunden - bringt viele Herausforderungen mit sich. Bisweilen hätte man sich das Orchester doch ein wenig zupackender, klangmalender gewünscht. Etwa im Mittelteil der von Andreas Scholl mit geradezu gefrierender Eindringlichkeit zelebrierten Arie „He was despised“, im Chorsatz „Surely He hath borne our griefs“, oder im Untermalen der Tenor-Arie „Thou shalt break them“.
In der Nähe des Herzschlags
Die Enthaltsamkeit gegenüber Händels Theatralismen war zwar ebenso ermüdend wie die konstant in der Nähe des Herzschlags bleibenden Tempi. Doch beides fügte sich zu erhabener innerer Ruhe.


