Robin Gibb beim RPR Open Air in Mainz: „Auch solo bin ich ein Bee Gee“
09.08.2010 - MAINZ
Von Michael Jacobs
„Nö, des koonst ihn net frogn, da bricht er sofort ab“. Wie eine wettergegerbte österreichische Weißtanne türmt sich der Manager auf, überfliegt grantelnd das Papier in seiner Hand, während Robin Gibb in einem Hinterzimmer des Mainzer Landtags abtaucht. Nun ist es ja nicht so, dass man dem Weltstar und Bee Gees-Mitbegründer so einfach mit der Tür ins Haus fallen wollte. Schon drei Wochen vor seinem Auftritt beim Rheinland-Pfalz-Open Air-Konzert musste ein Fragenkatalog, auf englisch und deutsch, eingereicht werden - nur damit Robin Gibbs Medienwächter eine Minute vor dem anberaumten Gespräch alles noch einmal lustvoll auseinanderpflückt.
Doch Mr. Gibb, gewandet in streng priesterlichem Schwarz, ist bester Laune, plaudert im Wartesaal ein bisschen mit seinen Meet-and-Greet-Fans, und lässt dann zum Kurz-Interview vorladen, sogar exklusiv - wenn auch im Stehen.
Mr. Gibb, die ganze Welt kennt Sie als ein Teil der Bee Gees. Ist das ein Vergnügen oder manchmal auch eine Bürde?
Oh nein, es ist ein großes Vergnügen und ich bin sehr stolz darauf. Ich habe die Bee Gees zusammen mit meinem Bruder Barry gegründet, ihren Sound, ihren Stil kreiert und mit Barry auch die Hälfte der Lieder geschrieben. Natürlich bin ich stolz. Es ist wundervoll, einer der erfolgreichsten Gruppe in der Musikgeschichte anzugehören. Neben Lennon / McCartney haben die Bee Gees heute weltweit auch den erfolgreichsten Musikkatalog, inklusive Amerika.
Sie treten aber auch als Solokünstler auf...
Auch wenn ich solo singe, bin ich ein Bee Gee. Ich weiß, das klingt komisch. Aber wenn du in einer Gruppe bist, machst du in gewisser Weise dort auch deine Solo-Sachen. Bei den Beatles haben Lennon/McCartney gesungen, aber auch jeweils eigene Stücke komponiert. Ich unterscheide da nicht so. Zum Beispiel mein Song „Juliet“ von 1983 - wenn die Bee Gees zu dieser Zeit zusammen gewesen wären, dann hätte ich ihn eben mit den Bee Gees gemacht. Die Musik ist ein sehr wichtiger Teil meines Lebens. Im Oktober beispielsweise werde ich das Titanic Requiem für das World Philharmonic Orchestra, das aus mehr als hundert Musikern besteht, einspielen. Dann treffen Barry und ich uns mit Steven Spielberg für ein Filmprojekt, die Bee Gees Life-Story. Es passiert einiges...
Das Konzert in Mainz wird von der Landesregierung bezahlt und kostet die Leute nichts. Wie finden Sie das?
Das ist eine großartige Sache. Es hilft jungen Bands dabei, ihre Begabungen einem großen Publikum zu zeigen, sie bekommen so einen Kompass, eine Richtung für ihre Musikkarriere. Ich bin in England zusammen mit Prinz Andrew selbst in einer ähnlichen Sache sehr engagiert, im Outward Bound Trust, einer Einrichtung, die sich dafür einsetzt, dass junge Menschen außerhalb der Städte experimentell ihre Talente entfalten können, auch an Instrumenten unterrichtet werden und so ihren Weg finden.
Haben Sie als lebende „Rock-Legende“ immer noch Spaß, auf der Bühne zu stehen?
Das ist immer noch eine großartige Erfahrung, die nichts ersetzen kann. Ich genieße das sehr. Barry und ich, wir können ja auswählen, und nur solche Konzerte geben, die wirklich zu uns passen.
Gibt es in ihrer langen Karriere einen Song, den sie am meisten schätzen?
Das ist sehr schwer zu beantworten, die Frage hat mir kürzlich auch der „Guardian“ gestellt. Was soll ich sagen? „Chain Reaction“? „Islands in the stream“? „How deep is your Love“? Oder die Stücke, die am längsten im Radio gespielt wurden? Es kommt auch immer auf die Produktion, den Sound an. „You will win again“, „Jive Talking“, „How can you mend a broken Heart“, „Emotion“...
Zu viele gute Songs?
Ja, das ist ein Problem, (lacht): „Too much heaven!“

