Ein politischer Pianist
11.06.2010 - WIESBADEN
Von Volker Milch
Tonales steht neben Atona- lem, der Schrei des Pianisten und knallende Klavierdeckel neben Arbeiterlied-Zitaten. Schumacher, der schon als Kind die „Dreigroschenoper“ vergöttert hat, bekennt sich zur politischen Musik - und nutzt die improvisatorischen Freiheiten, die Rzewski seinen Interpreten lässt, mit Unterstützung von Weill und Eisler.
Der politische Pianist will mehr Menschen für Konzerte begeistern. Mit den Ritualen eines „versteiften“ Klassik-Publikums sei das allerdings nicht zu schaffen, findet er, schon eher mit „Crossover“. Die Rettung der Klassik aus dem Geist des Punk in der Nachfolge Nigel Kennedys? „Er hat einmal wirklich provoziert“, sagt Schumacher anerkennend über den Geiger, dessen Protest zur Pose geworden ist. Er selbst sei als Kind wirklich „sehr spielerisch“ zur Musik gekommen. Vielleicht mal zehn Minuten am Klavier - und dann ab in den Wald. Sein Lehrer in Baden-Baden war Jazz-Pianist und hat ihm die Ohren auch in dieser Richtung geöffnet. Und der Vater machte sich eher für den Pop-Bereich stark.
Sein Orchester-Debüt hatte Schumacher mit Schostakowitschs 2. Klavierkonzert im Alter von 15 Jahren. Seitdem habe er sich im Repertoire immer „Nischen“ gesucht und eine besondere Affinität zur amerikanischen Musik entwickelt. Da hat er mehr Freiheiten gefunden als in der deutschen Nachkriegs-Avantgarde. Dass Zeitgenössisches verständlich sein kann, glauben auch viele Veranstalter nicht: „Das kann ich meinem Publikum nicht zumuten“, hört Schumacher immer wieder, wenn er Rzewski vorschlägt. Von der Zumutbarkeit dieser Musik dürfte sie die aktuelle CD überzeugen.
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