Von Tabea Müller
GEDENKKONZERT Musik als Mahnung: Duruflé-Requiem vor der Reichspogromnacht in der Bonifatiuskirche
Während am Samstagabend in den Straßen der Innenstadt das Wochenende gefeiert wurde und junge Leute von Kneipe zu Kneipe zogen, fand sich hinter den Türen der Bonifatiuskirche eine stille Gesellschaft zum Gedenkkonzert gegen den Antisemitismus ein. Kantor Gabriel Dessauer leitete die Aufführung des Requiems op. 9 von Maurice Duruflé in der Fassung für Orgel und Chor. Bereits im vergangenen Frühjahr hatte Dessauer "musikalisch engagierte Christen aus Wiesbaden" zur Mitwirkung am Gedenkkonzert aufgerufen. Zuerst habe es nur spärliche Reaktionen gegeben, erzählt Dessauer, im Verlauf des Sommers hätten sich dann aber insgesamt 80 Sängerinnen und Sänger an ihn gewendet. Den Orgelpart übernahm Petra Morath-Pusinelli.
Die Idee für ein Gedenkkonzert in zeitlicher Nähe zur Reichspogromnacht am 9. November war im Frühjahr dieses Jahres entstanden. Auslöser war die Auseinandersetzung des Vatikans mit dem Holocaustleugner Roger Williamson gewesen. "Die Verwerfungen zwischen Vatikan und Judentum haben auch in meiner Gemeinde Menschen wütend und betroffen gemacht", sagte Dessauer.
Der Organist Maurice Duruflé komponierte sein Requiem 1947 nach dem Vorbild des 60 Jahre zuvor entstandenen Requiems von Gabriel Fauré. Wie dieser stimmt Duruflé in seiner lateinischen Totenmesse einen kontemplativen, tröstenden Grundton an. Unter den Händen von Petra Morath-Pusinelli entfaltete die Orgel der St. Bonifatius eine enorme Klangpalette. Ganz still wurde es im Kirchenschiff, während die Mezzosopranistin Janina Moeller mit warmer, schlichter Stimme das "Pie Jesu" gestaltete. Und als das Werk schließlich mit "In paradisum" mit ruhigem Optimismus endete, war etwas Tröstliches zu spüren. Der Eintritt zum Konzert war frei, jedoch bestand die Möglichkeit, der israelischen Selbsthilfeorganisation Amcha zu spenden, die auf die Bedürfnisse der Überlebenden des Holocaust eingeht.


Der Chor sang einfach gut.
Gestern fragte mich Gabriel Dessauer, ob ich den Kommentar geschrieben habe.
Natürlich nicht. Ich unterschreibe immer mit Namen.
Der Artikel ist die gekürzte und umformulierte Version eines Artikels, der - mit Bild - unter dem Titel "Wo Musik Frieden stiftet" erschien. (Der wiederum ist vermutlich die gekürzte Version des Textes, den Tabea Müller verfasst hat.)
Der Chor wurde - mit Bild - am 5. November ausführlich gewürdigt unter dem Titel "Singen gegen das Vergessen". Wir Engagierten sind dankbar.