Klaus Florian Vogt singt „Helden“ - größtenteils
10.02.2012
Von Axel Zibulski
Die CD-Packung sollte man schnell aufklappen. Nicht nur, weil das Cover allerlei arge Klischees über Wagner-Tenöre bereithält: Ein Hüne mit dunkelblondem Mittelscheitel stützt sich da blauäugig auf sein Silberschwert. „Helden“ nennt sich Klaus Florian Vogts neue CD, die übrigens nicht nur Wagner bietet, sondern mit dem so gar nicht heldenhaften Weber-„Freischütz“ eröffnet. Sei’s drum. Marketing eben.
Für das Publikum im Bayreuther Wagner-Tempel ist Klaus Florian Vogt tatsächlich längst ein Held. Einer, der aufräumt mit dem Gerücht, es gebe keine veritablen Wagner-Tenöre mehr. Im Neuenfels-„Lohengrin“ hat man das erlebt, und auch auf der CD bietet er Lohengrins „Gralserzählung“ mit jener berückenden, hellen Geschmeidigkeit, mit fein strahlenden Höhen und bei aller Wort-Präzision so locker, als wäre Wagner-Singen das Leichteste der Welt. Für ihn mag das gelten, in seinem Repertoire zumindest, das hier noch mit dem Preislied des Stolzing („Die Meistersinger von Nürnberg“) und Siegmunds weichenden Winterstürmen („Die Walküre“) vertreten ist.
Kennt Vogts Tenor Grenzen? Ja, natürlich, in der uneingelösten Intimität eines Schubert-Liederabends an der Oper Frankfurt war das unlängst zu erleben. Beim unbekümmerten Lortzing- und Flotow-Gesang auf der CD wirkt Vogt dagegen wie zu Hause. In Erich Wolfgang Korngolds Oper „Die tote Stadt“ gab Vogt, auch an der Oper Frankfurt, den ebenfalls kaum heldenhaften Neurotiker Paul - auf der CD im Duett „Glück, das mir verblieb“ (mit Manuela Uhl) vertreten, so rein und klar, dass es fast nicht mehr kitschig klingt. Dirigent Peter Schneider und das Orchester der Deutschen Oper Berlin stören nirgends.

