Samstag, 11. Februar 2012 12:20 Uhr
URL: http://www.wiesbadener-kurier.de/region/kultur/literatur/7637821.htm

Wiesbadener Kurier

Literatur 

Wenn jemand Heimweh hat

07.10.2009 - WIESBADEN

INTERVIEW Der Wiesbadener Christophe Fricker und sein neues Buch "Larkin Terminal"

Aus einer Laune heraus entschloss Christophe Fricker, dass ihn sein Literatur-Studium auf alle Kontinente führen sollte. Teilweise ist dies dem 31-Jährigen, der nach seiner Promotion in Oxford nun Deutsch, Literatur und Zeitgeschichte an der amerikanischen Duke-Universität in Durham unterrichtet, auch gelungen: Nachzulesen sind seine Erfahrungen in seinem Buch "Larkin Terminal", das am 10. Oktober in Deutschland veröffentlicht wird. Seiner Heimatstadt Wiesbaden ist darin ein ganzes Kapitel gewidmet.



Herr Fricker, wie in "Larkin Terminal" zu lesen ist, träumten Sie schon als Sechsjähriger von der weiten Welt. Woher stammt diese Sehnsucht?

Ich komme aus einer multinationalen Familie - mein Vater ist Franzose, meine Tante Schottin, da waren immer verschiedene Länder präsent. Meine ersten Kinderbücher waren oft Bücher über die Kontinente, über Klimazonen, Kulturen, Bauwerke. Das hat mich zum Träumen angeregt, aber auch zum Fragen und schließlich dann zum Handeln.



Warum glauben Sie, dass man durch Reisen den Weg zu sich selbst findet?

Schon wenn Sie eine Woche in den Urlaub fahren, müssen Sie sich sehr genau überlegen: Was brauche ich? Wenn Sie für ein Jahr nach Singapur ziehen, wird das noch viel dringender. Unterwegs dann werden plötzlich Gewohnheiten in Frage gestellt. Selbst wenn man dasselbe tut, kann das andere Auswirkungen haben: Einen der größten Lacher habe ich mir gefangen, als ich in einem namibischen Taxi nach dem Sicherheitsgurt gesucht habe.



Sie leben seit drei Jahren in den USA, vorher in England. Haben Sie Heimweh nach Deutschland?

Ich leide oft sehr darunter, dass ich abends nicht einfach bestimmte Freunde auf ein Bier einladen kann. Wer stark unter seinem Heimweh leidet, wird doch oft einen Weg finden, wieder nach Hause zu gehen. Aber eben nicht immer - das spreche ich in meinem Buch an: Wir leben in einer Zeit, wo Mobilität zum Dogma geworden ist und wo jemand, der Heimweh hat, sich als Versager schämen muss. Das finde ich gefährlich, das geht an die Menschenwürde.



Glauben Sie, dass Sie durch die Beschäftigung mit der deutschen Sprache im Ausland einen noch engeren Bezug zu ihr gefunden haben?

Ja, auf jeden Fall. Ein Kollege aus Kamerun sagte mir einmal, er spreche gern Deutsch, da müssten alle anderen zuhören, weil sie gespannt auf das Verb warten. Vorher könnten sie nicht antworten. Dadurch ist mir das richtig bewusst geworden, dass im Nebensatz das Verb am Ende steht. Beim Übersetzen sind solche topografischen Fragen wichtig.



Von Hause aus sind Sie Lyriker - warum nun die Reisebeobachtungen in Buchform?

Es sind "Stories", Reportagen mit einer starken persönlichen Färbung und einigen verträumten Bildern, die man auch lyrisch nennen könnte. Auch in "Larkin Terminal" geht es mir um das intensive Schildern, das aufmerksame Beobachten und um folgenreiche Begegnungen.



Sie beschreiben, wie Sie "mein Wiesbaden" als Sechsjähriger empfanden: "der alles übertönende Geruch von nassem Laub, Zweigen, marmornen Locken, einem Weiher". Wie sieht Ihr heutiges Wiesbaden aus?

Nicht mehr nur so - das ist übrigens eine von den lyrischen Stellen, die ich vorher ansprach. Meine Lektorin mochte sie erst nicht, fand sie zu unklar. Ich liebe die belebte Innenstadt, die grünen, ruhigen Parks, die kreativen Menschen in der Stadt, und ich freue mich darauf, bald wieder hier zu leben.

Das Gespräch führte Julia Anderton.

Christophe Fricker liebt Wiesbadens grüne, ruhige Parks - und die kreativen Menschen in der Stadt.Schlinzig


Wetter

Wiesbaden

heiter
-11 – -4 °C
Heute
wolkig
-12 – -3 °C
Sonntag
Schneefall
-3 – 3 °C
Montag
Mehr Wetter

Fastnachtsfotowettbewerb 2012

Abstimmung

Besuchen Sie am Fastnachtssonntag den Wiesbadener Fastnachtszug?




Videos

ESWE Versorgung

Sonderveröffentlichungen

VIP TIPP

VIP TIPP Wiesbaden

Specials

  • Ihnen leuchtet ein Licht Die Benefizaktion des Wiesbadener Kurier.
  • Kruschel Groß und Klein finden hier alles Neue von unserem knuffigen Zeitungsmonster.
  • Flughafen Frankfurt am Main Flughafenausbau Der Rhein Main Airport wächst - so wirkt sich das auf unsere Region aus
  • opel Opel Was gibt es Neues beim Rüsselsheimer Autobauer? Hier erfahren Sie es.

2 Wochen kostenlos Probelesen










Fuß Zurück zum Service | Zurück zu den Verlagsservices | Zurück zur Navigation | Zurück zum Inhalt | Zurück zur rechten Spalte
Ende der Seite Zurück zum Service | Zurück zu den Verlagsservices | Zurück zur Navigation | Zurück zum Inhalt | Zurück zur rechten Spalte
0.429314136505 Sekunden