Auf festem Boden
05.01.2011 - WIESBADEN
Von Julia Anderton
KRIMI-AUTORIN Nele Neuhaus macht Main-Taunus-Kreis zum Tatort
Viele Kinder träumen sich für die tollsten Abenteuer in ferne Welten wie Dschungel oder Weltall. Nele Neuhaus hingegen blieb den heimischen Gefilden treu und besetzte ihre erste Kurzgeschichte mit Eulen in den Hauptrollen. Gerade mal fünf Jahre war sie da alt. Wenige Jahre später zog sie mit ihrer Familie von Paderborn nach Bad Soden, wo ihr Vater Bernward Löwenberg Landrat des Main-Taunus-Kreises wurde - und obwohl sie dort ganze Schulhefte mit ihren Erzählungen voll schrieb, suchte sie sich nach dem Abitur erst mal einen Job als Sekretärin, bevor sie einige Semester Jura, Geschichte und Germanistik studierte.
„Ich habe aber schnell gemerkt, dass eine akademische Laufbahn nicht mein Ding ist“, erinnert sie sich. Stattdessen stieg sie bei ihrem späteren Mann ein, der eine Fleischwarenfabrik leitet. „Die Arbeit lehrte mich viel Disziplin und Durchhaltevermögen, zwei Eigenschaften, die mir in meinem Leben nur von Vorteil waren. Außerdem kommt man mit den unterschiedlichsten Menschen in Kontakt, diese Begegnungen inspirieren ungemein!“ So gesehen haben Fleischwurst und Co. also einen nicht unwesentlichen Einfluss auf Nele Neuhaus’ Durchbruch als Krimi-Autorin.
Gefühlte Ewigkeit
In den ersten Jahren schrieb sie zwar nur sporadisch. Der erste Roman „Unter Haien“ lag eine gefühlte Ewigkeit in der Schublade. „Ich dachte, es sei eine Kleinigkeit, einen Verlag zu finden. Die Realität war eine gänzlich andere. Irgendwann stieß ich auf den Begriff ‚Book on demand’ und wusste, das ist es! Ich suchte Cover und Titel aus und vermarktete meine ersten drei Bücher selbst. Das war eine anstrengende, aber auch aufregende Sache, die mir viele Kontakte zu Lesern und Buchhändlern einbrachte.“
Schließlich wurde der Berliner Ullstein Verlag auf die Krimis der 43-Jährigen aufmerksam, seit 2008 steht sie dort unter Vertrag. Seitdem geht es rasant bergauf - vom unglaublichen Erfolg ihres aktuellen Romans „Schneewittchen muss sterben“ wurde sie dennoch überrascht. „Ich hatte damit gerechnet, dass er etwas besser als der Vorgänger laufen würde, aber an acht Wochen Verkaufsrang Eins bei Amazon und 18 Wochen unter den Top 20 der Spiegel-Bestsellerliste habe ich ganz sicher nicht gedacht. Es ist wunderbar! Aufregend!“, freut sie sich.
Und weil sie weiß, dass es morgen schon anders sein kann, genießt sie jeden Moment. „Den Boden unter den Füßen verliere ich nicht“, sagt sie, „dazu bin ich viel zu gut geerdet. Und mein normales Leben geht ja auch weiter. Ich arbeite nach wie vor in unserer Firma, kümmere mich um Haushalt, unsere Pferde und das ganze Drumherum“. Ihr Erfolgsrezept? „Ich bin authentisch und die Figuren in meinen Büchern sind es auch. Meine Leser wissen, was sie erwartet. Da tropft kein Blut aus den Büchern, es werden keine Menschen sadistisch zerstückelt, gefoltert und gequält. Es sind die normalen, die alltäglichen Abgründe, die berühren.“ Und die tun sich in ihren Romanen um das Ermittlerduo Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff besonders häufig im Main-Taunus-Kreis auf.
„Sicherlich bevorzuge ich in meinen Geschichten die Orte, mit denen mich etwas verbindet. Eschborn, Hofheim, Kelkheim, Hochheim und Flörsheim waren schon Schauplätze. Natürlich ist das auch eine Verpflichtung zu sorgfältiger Recherche, denn jeder kann leicht überprüfen, ob ich richtig beschreibe.“ Obwohl sie auch Pferderomane für Jugendliche schreibt, liegt ihr das Krimi-Genre besonders am Herzen: „Man kann Geschichten aus dem Leben erzählen, moderne Märchen sozusagen. Ich will mich beim Schreiben nicht verbiegen - deshalb habe ich auch abgelehnt, Frauenromane zu schreiben.“

