Damals auf „Wolke sieben“
04.08.2010 - WIESBADEN
INTERVIEW Horst Eckert erlebt als Preis-Nominierter einen spannenden Sommer
Krimiautor Horst Eckert gehört mit seinem neuen Roman „Sprengkraft“ zu den fünf Nominierten für den diesjährigen Friedrich-Glauser-Preis. Der Preis gilt als einer der wichtigsten Anerkennungen von Kriminalromanen. Der Düsseldorfer Horst Eckert war im Mai mit zwei Kolleginnen Krimi-Stipendiat in Wiesbaden. Bis zur Bekanntgabe des Preisträgers muss er bis September warten.
Herr Eckert, Sie gehören zu den Nominierten für den diesjährigen Friedrich-Glauser-Preis. Das wussten Sie schon vor Ihrem Wiesbaden-Stipendium im Mai. Verliehen wird der Preis aber erst am 11. September. Wie halten Sie diese lange Wartezeit aus?
Ich versuche, nicht an den Preis zu denken und mich auf meine Arbeit zu konzentrieren, was aber leider nicht immer gelingt.
Welche Bedeutung bekommt dadurch in diesem Jahr ein 11. September für Sie?
Eine Katastrophe wird es sicher nicht, denn schon die Nominierung ist eine tolle Auszeichnung: Immerhin hält die Jury meinen Roman „Sprengkraft“ für einen der fünf besten Kriminalromane des Jahres.
Sie sind Glauser-Preisträger bereits 2001 geworden. Wie war das damals für Sie?
Zu jener Zeit war das Prozedere noch anders, die Preisträger sind bereits Wochen vor der Preisverleihung benachrichtigt worden. Als der Anruf kam, schwebte ich einen Tag lang auf Wolke sieben. Danach kam die Angst: Werde ich das Niveau künftig halten können? Aber die Freude überwog natürlich.
Welche Auswirkungen hatte der Preis auf Bekanntheitsgrad und Buchverkauf?
Wichtiger als jeder Preis ist die Zufriedenheit der Leser. Aber damit sie überhaupt zum Buch greifen, kann es schon nützlich sein, wenn ein Aufkleber verkündet: Friedrich-Glauser-Preisträger. Die Auszeichnung hat den Buchverkauf etwa so angekurbelt wie das damalige Lob in in einer Frauen-Zeitschrift, also viel. Und sie führte dazu, dass Verlage in Frankreich und den Niederlanden das Buch übersetzen ließen.
Der Preis jedenfalls ist ein Ereignis, das sich neun Jahre später wiederholen sollte?
Dem will ich nicht widersprechen!
Mit Ihnen sind vier weitere Autoren aus dem deutschsprachigen Raum nominiert. Entwickelt sich da eine besondere Schicksalsnähe oder eine besondere Konkurrenzsituation?
Gemeinsam nominiert zu sein, das schweißt zusammen. Wir sind Mitglieder eines exklusiven Clubs von fünf Autoren, von denen die Jury meint, wir seien die Besten. Eine Konkurrenz empfinde ich daher nicht. Zumal die Jury längst entschieden hat, auch wenn sie bis zum Abend des 11. September dicht hält.
Kennen Sie die Bücher Ihrer Mitnominierten?
Einige von ihnen. „Lemmings Zorn“ von Stefan Slupetzky habe ich vor einigen Monaten selbst in einer Online-Kolumne gelobt.
Als Wiesbaden-Stipendiat hatten Sie die Aufgabe, einen Kurzkrimi mit Lokalkolorit zu schreiben. Wodurch haben Sie sich anregen lassen?
Vom Flair der „Weltkurstadt“ und ihrem historischen Erbe in Form der unzähligen Bauten aus dem 19. Jahrhundert. Von einem Makler-Gerücht, das ich aufschnappte, wonach wohlhabende Russen jede Summe zahlen, um eine schicke Villa zu erwerben. Vom Pfingst-Reitturnier und einem Ausflug in den Rheingau. Und nicht zuletzt von der Rücktrittserklärung des Ministerpräsidenten Roland Koch während meines Aufenthalts. In meiner Geschichte „Der Herr der Stadt“ geht es um all das - aber auch um ganz allgemein Menschliches.
Wie schnell kann ein Aufenthalt in Wiesbaden vergessen werden?
Da müsste mich schon die Alzheimersche Krankheit erwischen.
Was können Sie selbst noch tun, um im Herbst die Kurzkrimi-Sammlung der Stipendiaten als Glauser-Preisträger 2010 in Wiesbaden vorzustellen?
Nicht einmal ein Mord könnte da noch etwas beeinflussen.
Was denken Sie von der Jury, wenn Sie den Preis nicht bekommen?
Nichts Böses, denn Irren ist bekanntlich menschlich.
Das Gespräch führte Viola Bolduan.

