Von Viola Bolduan
BUCH HABBEL / HUGENDUBEL Nicolai Lennartz ist neuer Filialleiter in Wiesbaden
Die Anfahrtszeit hat sich entschieden verkürzt. Seit Wochen ist Nicolai Lennartz täglich von Wetzlar nach Wiesbaden gefahren - zwei Stunden saß er eine umständliche Strecke lang im Auto. Jetzt heißt der Wohnort Hünstetten im Taunus. Und seine Arbeitsstätte noch Buch Habel. Ab 1. Oktober wird die große Buchhandlung in der Innenstadt Hugendubel heißen. Mit Nicolai Lennartz als waschechtem „Hugendubler“ an ihrer Spitze. Er hat die langjährige Habel-Filialleiterin Regina Voit, die im Mai ausgeschieden ist, abgelöst.
Der 33-jährige fühlt sich wohl am neuen Standort. „Der Hugendubel-Look ist schon da“: 2008 war das zukunftsweisende Innendesign eingeführt worden. Vom Mitarbeiter-Team sei er freundlich aufgenommen worden. Nicolai Lennartz freut sich über die Aufgeschlossenheit der Belegschaft: „Sie ziehen alle mit“. Viele sind eben auch - wie er selbst - schon lange im Geschäft. In seiner täglichen Arbeit als neuer Filialleiter macht er deshalb auch alles mit. Und was am liebsten? Da sagt er doch tatsächlich: „Ich liebe die Kasse!“ Nicht nur, weil Umsatz dort gut klingt, sondern, weil er dort einmal seine Buchhändler-Laufbahn begonnen hatte.
Denn irgendwie ist Nicolai Lennartz trotz des neuen Standorts Wiesbaden „zurück in die Heimat“ gekommen. Aufgewachsen in Maintal-Bischofsheim besaß zwar Frankfurt als nahe Metropole die größere Anziehungskraft, aber hessisch, rund um die Landeshauptstadt, war es auch. Und Wiesbaden - erscheint heute für ihn von „besonderem Flair“.
Der junge Mann hatte nach Abitur und Zivildienst Pädagogik in Frankfurt studiert, als er als „studentische Aushilfe“ bei Hugendubel im Hessen-Center Frankfurt anheuerte. Da war es um ihn geschehen. Die Arbeit hatte ihm so gut gefallen, dass er sich entschloss, das Studium abzubrechen und als Quereinsteiger im Buchhandel Fuß zu fassen. Mit den Händen auf der Kassentastatur erst mal. Und natürlich bei Hugendubel. Vier Jahre später wurde Nicolai Lennartz Abteilungsleiter der Filiale in Bad Homburg, zwei Jahre danach stellvertretender Filialleiter in Ulm.
Von 2008 an arbeitet er als Filialleiter in Siegen. Dort wollte er noch den Umbau begleiten, der aber hat sich verzögert. Da war der Ruf einer Vakanz in Wiesbaden schneller. 2010, sagt er, „hat sich echt was getan“. Auch die Geburt der Tochter im Mai („meine Frau habe ich auch bei Hugendubel kennengelernt“), der Umzug ins Haus „im Grünen“.
Wenn Lesen eine Freizeitbeschäftigung ist, dann sollte auch der Buchkauf ein Freizeiterlebnis werden. So hatte es zuvor schon Regina Voit formuliert und praktiziert. Nicolai Lennartz will das Konzept fortsetzen. Er sieht seine Kunden als Gäste, die die Buchhandlung zum Verweilen einlädt, zum Kaffeetrinken, Schlendern, Schmökern auch ohne Kauf.
Kunden, sagt er, seien heute gut vorinformiert, so dass Beratungstätigkeit weniger gefragt sei als eine Wohlfühl-Atmosphäre der Umgebung. Da hat er auch neue Ideen für die Präsentation und will verstärkt Kinder und Jugendliche ansprechen. Und sich auch darüberhinaus einfinden in die „Menge Kultur“, die in Wiesbaden geboten wird. So sehr viel Zeit zum Lesen („am liebsten historische Romane“) wird Nicolai Lennartz da nicht bleiben.

