Von den Folgen eines Sauna-Besuchs
22.02.2010 - WIESBADEN
Von Richard Lifka
LESUNG Juroren des Friedrich-Glauser-Preises
Als Gisela Egenolf-Rinke die zahlreichen Gäste zum "Schwarzen Samstag" in der Villa Clementine begrüßte, hatten die angereisten Krimiautorinnen- und Autoren schon ihre Pflicht erfüllt, nämlich aus über 80 Kriminalromanen das beste Krimidebüt 2009 herauszufiltern. "Das Syndikat", die Vereinigung deutschsprachiger Krimiautoren, verleiht jedes Jahr den Friedrich-Glauser-Preis in den Sparten Kriminalroman, Debüt, Kurzkrimi und Jugend- und Kinderkrimi an die Besten des Jahres.
Die Kür nach der Pflicht
Im Gegensatz zu anderen Krimipreisen setzen sich die Jurys ausschließlich aus Krimiautoren zusammen. Die Organisation lag diesmal in den Händen des Wiesbadener Schriftstellers Alexander Pfeiffer. Nachdem alle Einsendungen gelesen und bewertet waren, trafen sich die Autoren in Wiesbaden und entschieden sich in geheimer Sitzung für fünf Titel. Das war das Pflichtprogramm, die Kür folgte am Abend im Literaturhaus. Alexander Pfeiffer stellte in humorvoller Atmosphäre die angereisten Autorinnen und Autoren vor, die wiederum jeweils eine Kostprobe ihrer schriftstellerischen Arbeit abgaben. Lucie Flebbe, die als letztjährige Glauser-Preisträgerin quasi zur Juryarbeit "zwangsverpflichtet" war, las aus ihrem Roman "Der 13. Brief", einer Kriminalgeschichte, in der die flippige Protagonistin Lila Ziegler im beschaulichen Bochum dem Tod einer Schülerin nachgeht.
Ganz anders, der sich selbst als Weltenbummler bezeichnende Bremer Helge Thielking. In seinem Roman "The King of Pain" erlebt der 23 jährige Nick, auf der Suche nach seiner Mutter, einen wahren Horrortrip, der ihn von Deutschland nach San Francisco führt, dort in eine Mordserie verwickelt und vom Suchenden zum Gejagten wird. Die Wilhemshavenerin Christiane Franke las den köstlichen Kurzkrimi "Immer wieder Dienstags" vor, und beschrieb humorvoll, was sich aus einem harmlosen Saunabesuch so alles entwickeln kann. Die makabere und satirische Geschichte, die danach Henrike Heiland (auch bekannt unter dem Pseudonym Zoe Beck) bewusst sachlich und emotionslos vortrug, ließ sich von den Lachsalven der Zuhörer nicht anstecken. Köstlich und mit viel schwarzem Humor erzählt, erfuhr das Wiesbadener Publikum, wie es ist, wenn in Lüdenscheid Vater und Sohn beschließen: Der Opa muss weg.
Zuletzt las der in Wien lebende Journalist Thomas Askan Vierichs aus seinem Roman "Blutgasse". Alfred Brinkmann, den es aus Liebe von Berlin nach Wien verschlägt, gerät dort nicht nur ins "Baumilieu", sondern wird in ein Netz erotischer Versuchungen und tödlicher Intrigen verwickelt.

