Von Richard Lifka
LESUNG Nele Neuhaus im Literaturhaus
Auf dem Büchertisch im Literaturhaus Villa Clementine lagen die drei Romane der Schriftstellerin Nele Neuhaus. "Eine unbeliebte Frau", "Mordsfreunde" und "Tiefe Wunden", die drei Fälle der Ermittler Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff. Daneben ihre Autogrammkarten. Sie sieht gut aus, liest gut, ist redegewandt und geschäftstüchtig. Die Buchvorstellung ihres aktuellen Krimis "Tiefe Wunden" war unterbrochen von einer verkaufsfördernden Pause, in der sie ihre Bücher signierte.
Experten befragen
Neben vielen Passagen aus dem Roman gab die im Taunus lebende Autorin auch ihre Erfolgsgeschichte zum Besten. Sie schreibe, seit sie schreiben gelernt habe, schon als Kind bereitete es ihr Spaß, sich Geschichten auszudenken und zu erzählen. Ihr erstes, 1000 Seiten umfassendes Manuskript sei von den Verlagen abgelehnt worden, sodass sie ihr Buch über Print on Demand habe verlegen lassen. Irgendwann fand sie auch einen "richtigen" Verlag und ihre Romane wurden bundesweit vermarktet.
Aber auch über ihre Arbeit selbst berichtete Nele Neuhaus ausführlich und humorvoll. So erfuhren die Besucher, dass das "mit der Realität und so weiter, ein ganz schwieriges Thema sei", es sinnvoll ist, zu komplizierten Fragen Experten zu kontaktieren. Im Gegensatz zu diesen amüsant geschilderten Begebenheiten geht es in "Tiefe Wunden" um die deutsche Vergangenheit: Als ein 92-jähriger Holocaust-Überlebender in seinem Haus im Taunus mit einem Genickschuss getötet wird, entdeckt der Arzt bei der Obduktion die Reste einer SS-Blutgruppentätowierung auf dem Arm des Toten. Zwei weitere Morde geschehen, die eher Hinrichtungen gleichen und irgendwie miteinander im Zusammenhang stehen. Eine spannende Geschichte, die mit ihrem Figurenreichtum an russische Romane erinnert, die zum Teil humorvoll-ironisch, zum Teil dramatisch-depremierend erzählt wird.

