Hochprofessionelle Animationen
19.10.2010 - BIEBRICH
Von Anja Baumgart-Pietsch
SCHLOSS BIEBRICH Preisverleihungen zum Finale des Trickfilm-Wochenendes
Mit Preisverleihungen ging am Sonntag das 12. Internationale Trickfilmfestival im Biebricher Schloss zu Ende: Den Preis des Wiesbadener Kulturamts erhielt die Gruppe „Polynoid“, deren Film „Loom“ auch zu sehen war. Der fünfminütige Trickfilm über eine Spinne, die ihre Beute im Netz mit Gift tötet, beeindruckte durch hochprofessionelle Computeranimation. Er ist durch erfolgreiche Teilnahme am Festival „LA Shorts“ gar für die nächste Oscar-Verleihung im Rennen, hat bereits mehrere andere Preise abgeräumt und konnte nun also auch den mit 1 000 Euro dotierten Wiesbadener Preis erlangen: Jörg-Uwe Funk vom Kulturamt überreichte ihn an ein Mitglied der jungen Ludwigsburger Gruppe, Csaba Letay.
Mit Publikumspreisen wurden in der Sektion „Best of“ der australische 3D-Computertrickfilm „The Lost Thing“ (Geldprämie: 1 000 Euro, gestiftet von Katholisches Filmwerk GmbH, Frankfurt/M.) und in der Kategorie „Young Animation“ der Zeichentrickfilm „Be nice“, entstanden an der Animation School Hamburg (Geldprämie: 750 Euro, gestiftet von ABC & TaunusFilm Kopierwerk GmbH, Wiesbaden), ausgezeichnet.
„Best of International Animation“ - die Filmrollen mit diesem Titel seien stets die Renner im Festivalprogramm, so Detelina Grigorova-Kreck. „Da könnten wir den Saal mehrfach ausverkaufen“, meinte die Mitveranstalterin des Trickfilm-Wochenendes. Die Filme vom Festival in Annecy, immerhin des bedeutendsten europäischen Trickfilmfestivals, standen vom Besuch her etwas nach: „Ich musste vielen Anrufern erst erklären, was es mit dem Annecy-Festival auf sich hat“, sagte Grigorova-Kreck, die mit Ehemann Joachim Kreck Stammgast des Festivals in Frankreich ist.
Gemeinsam hatten sie für das diesjährige Wiesbadener Trickfilmwochenende das Beste aus 50 Jahren sowie Aktuelles vom 2010er Festival ausgewählt. Am Sonntag waren Werke von absoluten Stars des Genres zu sehen, so zum Beispiel Tim Burtons erster eigener Film, der sechs Minuten lange „Vincent“, aus dem Jahr 1982 in dem seine spätere Meisterschaft bereits vorweggenommen war. Urkomisch und hintersinnig auch Guido Manulis „Nur ein Kuss“ von 1983: Wenn man das Disney-Schneewittchen unsittlich antatschen will, dann muss man halt mit der Attacke der sieben Zwerge rechnen....
Auch Bill Plympton war vertreten mit dem köstlichen Zeichenfilm „25 Wege, das Rauchen aufzugeben“ - teils rüde, doch wirkungsvolle Methoden.
Und auch „Pixar“, das Mega-Studio, war dabei: John Lasseters erster Kürzestfilm mit den bekannten zwei Schreibtischlampen als Protagonisten lief zum Abschluss und erinnerte daran, wo der Weg hingeht: Zu perfekter Computertricktechnik. Dass aber auch noch andere Methoden von jungen Filmern beherrscht und angewendet werden, zeigten die „Young-Animation“-Programme. Obwohl auch die preisgekrönten Filmemacher von „Polynoid“ eher der Computertechnik zugeneigt waren, gab es dennoch viele wie „handgemacht“ wirkende Streifen, zum Beispiel den eindrucksvollen Viereinhalbminüter der hessischen Filmstudentin Urte Zintler, der Einblick in den langsam verlöschenden Geist einer demenzkranken Frau bietet. Wie hier das mit brüchiger Stimme gesungene Lied „Die Gedanken sind frei“ mit den immer schemenhafter wirkenden, schwarzweiß gezeichneten Erinnerungsfetzen korrespondiert, ist ein wirklich berührendes Beispiel des Einsatzes von Trickfilmtechnik.
Viele der Produkte der jungen Filmer wirkten jedoch eher am visuellen Aspekt interessiert als daran, eine wirklich stringente Geschichte zu erzählen. Ausnahme: Dustin Grellas berührende Erinnerung an seinen im Irak-Krieg gefallenen Bruder oder Veronika Obertovas Erzählung über einen Jungen, der sein Leben nicht lebt, sondern zeichnet. Insgesamt ist Detelina und Joachim Kreck wieder ein spannender Einblick in die Trickfilmszene gelungen.

