Wiesbadener Kennzeichen
16.02.2010 - WIESBADEN
Von Julia Anderton
HOLLYWOOD Patrick Hanenberger aus Nordenstadt zeichnet für Trickfilm-Produktionen
/LOS ANGELES. Manchmal ist Hollywood viel näher als man denkt. Denn wer sich für Trickfilme interessiert, dürfte im Abspann von Kino-Erfolgen wie "Ab durch die Hecke", "Bee Movie" oder "Monsters vs. Aliens" bereits mehrfach den Namen eines gebürtigen Wiesbadeners gelesen haben: Patrick Hanenberger arbeitet seit sechs Jahren für Dreamworks Animation.
Zunächst war der 31-Jährige für die Gestaltung von Fahrzeugen und Requisiten verantwortlich, dann wurde er Art Director und bei dem aktuellen Projekt, einem epischen Märchenfilm mit Arbeitstitel "The Guardians of Childhood" (zu deutsch "Die Hüter der Kindheit"), der Ende 2010 ins Kino kommen soll, ist er als Produktionsdesigner für die visuelle Gestaltung des gesamten Films verantwortlich. "Ich bin auch für die Abteilungen Modellbau, Beleuchtung sowie Texturen und Farben zuständig. Nun bleibt mir selbst wenig Zeit zum Malen und Zeichen, da ich im Management tätig bin."
Mit Malerei fing alles an
Dabei fing mit der Malerei schließlich alles an: Schon während seiner Zeit in der Grundschule Nordenstadt zeichnete Hanenberger, was das Zeug hielt - am liebsten Karikaturen seiner Lehrer. Dennoch studierte er zunächst Grafikdesign und wollte in die Werbebranche einsteigen.
"Aber dann habe ich beschlossen, dass ich lieber Raumschiffe zeichne als Verpackungen gestalte." Zu dieser Zeit lebte er bereits in den USA und musste daher nur innerhalb des Landes die Stadt wechseln. Von Michigan ging es nach Pasadena ans "Art Center College of Design". Studienbegleitend absolvierte er ein Praktikum in den Pixar Animation Studios, bevor er nach einem Jahr Selbstständigkeit fest bei Dreamworks in Los Angeles anfing. "Es ist ein tolles Gefühl, im Kinosessel zu sitzen und den eigenen Namen auf der Leinwand zu sehen. Das war schon immer ein Traum von mir", erzählt er. "Ganz besonders Spaß macht es, kleine Logos und Namen in die Filme einzubauen. So hat zum Beispiel die Vespa in `Ab durch die Hecke´ ein Wiesbadener Kennzeichen."
Als Ausgleich zu seinem Hauptjob, in dem der Computer große Teile der Filmrealisation übernimmt, ist Hanenberger nebenberuflich als freier Künstler tätig. Er bezeichnet sich als "dokumentarischer Kritzler", zeichnet am liebsten in kleine Skizzenbücher und benutzt ab und zu Aquarellfarbe. Motive sind Menschen, Roboter und Fantasiemaschinen in liebevoll schräger Inszenierung, aber auch originalgetreue Gebäudeansichten. Eine Ausstellung ist momentan nicht geplant. "Ich arbeite derzeit an einem Buch, das wahrscheinlich nächstes Jahr veröffentlicht wird. Nach der Veröffentlichung steht dann eine Ausstellung an." Zudem unterrichtet Hanenberger an seiner früheren Ausbildungsstätte, dem Art Center College of Design unter anderem visuelle Darstellungstechniken und filmische Designmethoden.
Galerien-Netzwerk
Generell ist er der Ansicht, dass Künstler es in den USA einfacher als in Deutschland haben. "Ich denke, dass es hier durch die riesigen Entertainment-Industrien leichter ist, als kommerzieller Künstler zu arbeiten. Auch als freier Künstler ist der Einstieg besser zu schaffen. In Los Angeles etwa haben wir ein riesiges Netzwerk an Galerien, die sehr unkonventionelle Kunst ausstellen. Viele Partypromoter kombinieren Veranstaltungen mit Kunstausstellung und locken so den `jungen und wilden´ Nachwuchs hervor, zum Beispiel beim Aktzeichnen in der Kneipe mit DJ und anschließender Vernissage. "
Hanenberger lebt seit 13 Jahren in Amerika, kommt aber regelmäßig im Sommer für ein paar Wochen nach Wiesbaden. "Die Rückkehr nach Europa ist langfristig geplant, doch ich finde immer wieder andere tolle Orte auf der Welt, an denen ich mir vorstellen könnte, ein Studio zu eröffnen. Kalifornien ist im Moment mein Zuhause, doch Deutschland wird immer meine Heimat bleiben."

