Abstrakte Cover-Ästhetik
09.09.2010 - WIESBADEN
Von Katinka Fischer
FOTOKUNST Thomas Wunschs Aufnahmen finden sich auf CDs und in Ausstellungen
Seine Fotokunst ist nicht nur auf den CD-Covern des führenden Jazz-Labels ECM zu sehen, sondern wird auch regelmäßig ausgestellt. Gerade ging eine Schau des Wiesbadeners Thomas Wunsch in Darmstadt zu Ende, schon steht am Freitag eine Vernissage in Frankfurt an.
Auf Wunschs reduzierten, oft verschwommen wolkigen Blättern bleibt meist nur eine Ahnung von Figur oder Gegenstand übrig. Auch Farbe kommt sehr zurückhaltend in Form etwa von bläulichem Schimmer ins überwiegend schwarz-weiß und ausschließlich analog aufgenommene Bild. Dass er nie verrät, was er fotografiert und was er wie verändert hat, kann er plausibel begründen: Dieses Wissen könnte das Motiv entmystifizieren.
Schon früh beschäftigte Wunsch sich mit der Frage, wie man mit dem Medium der Fotografie gegenstandslose Kunst machen kann. Später erinnerten ihn die Ergebnisse von Experimenten in der Dunkelkammer an die spezielle, oft völlig abstrakte Cover-Ästhetik, für die ECM bekannt ist. Der Mappe, die er daraufhin an die Münchner Firma schickte, folgte eine Einladung von deren Chef Manfred Eicher - eine Zusammenarbeit, die seit nunmehr zehn Jahren währt.
Wenn Wunsch auf den Auslöser drückt, weiß er noch nicht, welche Musik das Bild einst illustrieren wird. Die Auswahl aus einem breiten Angebot an Motiven trifft der Firmenchef ganz allein. Wunsch ist aber jedesmal verblüfft, dass „das Bild immer hundertprozentig zur Musik passt“. Ein besonders augenfälliges Beispiel dafür liefert das Album „Chiaroscuro“ von Ralph Towner und Paolo Fresu: Das „Helldunkel“ des Titels nehmen im Foto grobkörnig graue und tiefschwarze Querstreifen auf.
Neben seiner Wiesbadener „Hauptgalerie“ Nero werden seine Aufnahmen seit 2005 in Deutschland und Europa ausgestellt. So kann er seine Motive auch einmal größer zeigen - wie ab morgen in der Frankfurter Schau.

