Zeitreise mit Lampen-Max
08.02.2012 - CAMPUS
Von Laura-Julie Weißkopf
NEBENJOB Wiesbadener verkauft vor allem Jugendstil-Stücke
Wenn man die gewundene Treppe zu Max’ Wiesbadener Altbauzimmer hinauf klettert, ist das ein bisschen so, als ob man mit einer Zeitmaschine reisen würde. Oben angekommen, fühlt man sich in die Jahre um 1900 versetzt: Jugendstilmöbel aus dunklem Holz, eine verwitterte Staffelei, dazu kündigt ein Schild in schnörkeligen Buchstaben die Pariser Metrostation „Montmartre“ an.
Max’ gescheckte Katze windet sich zwischen den Dutzenden Lampenschirmen aus Glas hindurch, die vor zwei schiefen Lederstühlen aufgereiht sind. Beleuchtet wird alles von einer Lampe mit sechs Glühbirnen in Glasschalen, die von kupfernen Propellerflugzeugen getragen werden.
„Die ist unverkäuflich, ich habe dieses Modell nie wieder gesehen“, meint Max Weidmüller und blickt zur Decke. Würde der Kunstgeschichtsstudent an allen seinen Lampen so hängen, wäre das sehr schlecht für’s Geschäft, denn der 24-Jährige finanziert sich sein Studium in Kunstgeschichte und Französisch an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz durch den Handel mit französischen Jugendstil- und Art Déco-Lampen. Alle Stücke, die er verkauft, sind zwischen 75 und über 100 Jahren alt.
Jahrhundertealte Möbel und antike Leuchten begleiten den Wiesbadener schon sein ganzes Leben lang. Bereits als Kind schaute er seinem Vater, einem Antikhändler, über die Schulter. Die Idee, selbst Geld mit Antiquitäten zu verdienen, kam ihm, als er 2006 auf einem Pariser Flohmarkt herumstöberte. Max kaufte ein paar Lampen, bot sie auf der Auktionsplattform „eBay“ im Internet zum Verkauf an - und machte Gewinn. „Ich habe irgendwie ein Händchen dafür“, meint er, „es kam einfach eines zum anderen“.
2008 meldete der Student beim Gewerbeamt dann ein sogenanntes Kleingewerbe an. Bei Haushaltsauflösungen, auf Antikmessen oder Flohmärkten sucht Max nach Lampen. Wann immer er Zeit findet, fährt er dazu auch nach Frankreich. In Wiesbaden lagert er seine Schätze in einer winzigen, fensterlosen Werkstatt. Hier restauriert er die Stücke und präsentiert sie seinen Kunden. Zum Teil kommen Sammler auf ihn zu, die auf der Suche nach einem bestimmten Schirm sind. Einige Kunden haben den Lampenhandel des Studenten zufällig im Internet über seine Website entdeckt, wieder andere kennt Max über seinen Vater. Auch mit Auktionshäusern arbeitet er zusammen und sucht für deren Kunden nach Raritäten.
Max zieht eine Tischlampe mit schmiedeeiserner Montierung aus dem Regal. „Diese hier ist halt unglaublich verrostet“, sagt er und stellt sie auf den Arbeitstisch. Der Schirm nickt knarzend nach vorne, eine Schraube fehlt. Mit einem Tuch und Polierpaste reibt Max über den Fuß - unter dem Schwarz beginnt es golden zu schimmern. Das Restaurieren hat sich der 24-Jährige selbst beigebracht. Neue Putzmittel probiert er an Metallblechen aus. „Wenn du das erste Mal ein Stück verkratzt hast, dann wirst du’s halt so nicht noch mal machen“, meint er und lacht. Das Schweißen, Vernickeln oder Elektrifizieren überlässt er aber Profis.
Je nach Auftragslage verbringt der Wiesbadener etwa vier bis fünf Stunden wöchentlich in seiner Mini-Werkstatt. Was Hobby ist, was Arbeit, das kann Max nicht so genau trennen. „Wenn ich auf den Flohmarkt gehe, sehe ich das ja nicht als Jobzeit. Mir macht das Freude“, sagt er. Gar keinen Spaß macht ihm hingegen die Buchführung. Doch der Student zwingt sich jeden Sonntagabend dazu.

