Spitzenathleten und Spaßtruppen - Hochschulsport hat viele Facetten
19.01.2011 - WIESBADEN / MAINZ
Von Matthias Schmidt
„Viele meiner Freunde halten mich schon für etwas verrückt.“ Da ist sich Julian Flügel sicher. Der Student im Studiengang „Master of Finance“ an der Hochschule RheinMain (HRM) trainiert nämlich etwa zwanzig Stunden in der Woche: Julian ist Leichtathlet und mehrfacher deutscher Hochschulmeister über 5.000 und 10.000 Meter.
Während seine Kommilitonen Jobs nachgehen oder ihre Freizeit genießen, läuft Julian seine Trainingskilometer. Seit mittlerweile zehn Jahren ist der Mittel- und Langstreckenlauf sein Hobby, und so war es für ihn schon zu Beginn seines Studiums in Wiesbaden völlig klar, auch an den Hochschulmeisterschaften teilzunehmen. Zumal man sich an der HRM gerade die Förderung des sportlichen Nachwuchses auf die Fahnen geschrieben hat.
HRM hilft beim Organisieren
Die Hochschule RheinMain ist nämlich eine „Partnerhochschule des Spitzensports.“ Den Studierenden soll ermöglicht werden, den Sport und das Studieren unter einen Hut zu bekommen, vor allem in organisatorischer Hinsicht. „Zum Beispiel erlaubt man mir, Klausur- und Vorlesungstermine flexibler zu gestalten“, erzählt Julian. Das sei aber auch notwendig, denn er ist sich sicher, von der Leichtathletik niemals leben zu können: „Das ist in Deutschland unmöglich.“
Julian ist einer von etwa zehn Spitzensportlern an der HRM, für alle anderen Bewegungsfreudigen gibt es dort ein Angebot von etwa 40 Sportarten, die es gemeinsam auf gut 150 Zeitstunden pro Woche bringen. Solche Angebote gibt es auch an anderen Hochschulen, zum Beispiel der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.
Gemischtes, spaßiges Softball-Team
Neben bekannten und beliebten Sportarten wie Fuß- und Basketball gibt es hier ein Softball-Team – das ist eine Variante des Baseball, die eigentlich vor allem von Frauen und Kindern gespielt wird. Die Mainz Sputniks, wie sich die Gruppe nennt, ist aber ein gemischtes Team. „Eine spaßige Truppe“ nennt Robert Morgenstern sie.
Für den 24-jährigen Biologiestudenten begann die Begeisterung für die in Deutschland immer noch belächelte Sportart mit einem Schüleraustausch nach Japan in der elften Klasse. Dort gehört Baseball seit Jahrzehnten zu den beliebtesten Sportarten – und so ließ sich Robert vom Virus dieses Sports infizieren. Als es wenige Jahre später für den gebürtigen Berliner nach Mainz ging, schaute er deshalb auch bei den Mainz Athletics vorbei, immerhin eines der erfolgreichsten Baseball-Teams in Deutschland. „Die waren mir aber zu ehrgeizig“, gibt Robert zu. Schließlich sollte das Studium bei ihm im Vordergrund stehen.
Ein weiterer Vorteil der Sputniks: Das Training ist für Studierende von FH und Uni kostenlos, Schläger und Handschuhe werden gestellt. Komplette Neulinge sind immer gern gesehen, auch mitten im Semester. „Ein bisschen Gefühl für Ball und Schläger sollte man mitbringen“, beschreibt Robert die einzige Voraussetzung. Die erfahrenen Spieler würden Neulingen schnell alles Wichtige beibringen, wenn sie regelmäßig zum wöchentlichen Training kommen. Vor allem steht bei den Sputniks aber der Spaß im Vordergrund.

