Von Rajko Dikmann
IHK Grüner Tarek Al-Wazir zu Gast beim Management-Workshop für Oberstufenschüler
wiesbaden. "Der kann Kanzler", mutmaßten die Medien schon vor einem Jahr über Tarek Al-Wazir, den Fraktionsvorsitzenden der Grünen im hessischen Landtag. Jetzt war er zu Gast in der IHK und stellte sich im Workshop Managementpraxis den Fragen von Oberstufenschülern. "Kein Grund, aufgeregt zu sein", heißt es ob der Polit-Prominenz unter den Schülern. Man sei im Umgang mit Größen aus Wirtschaft und Medien vertraut; der Fraport-Vorsitzende Schulte war bereits ebenso Gast wie FAZ-Mitherausgeber D`Inka. "Die Schüler bekommen hier einen direkten Einblick in unterschiedliche Berufe und dadurch neue Anreize für ihre Zeit nach dem Abitur", so Günter Higelin von der IHK-Initiative. Dass solche Anreize gewünscht sind, zeigt die hohe Nachfrage. Gleich drei Veranstaltungsreihen mit je neun Workshop-Terminen werden angeboten. Jugend auf Perspektivsuche für die Post-Schul-Ära?
Ins Amt reingerutscht
"Wer weiß denn schon so früh, was er mal machen will", fragt Al-Wazir auch mit Blick auf den eigenen Lebenslauf. So sei er in das politische Amt irgendwie "reingerutscht und aus einer Schnapsidee heraus unerwartet Landtagsabgeordneter geworden". Dass diese Karriere bei den Grünen begann, sei einem Partei-Klischee geschuldet, das er bis heute bestätigt sieht: "Bei den Grünen kann ich im Gegensatz zu den anderen Parteien einfach mein Ding machen." Ein Moment, in dem der ebenfalls angekündigte Florian Rentsch inbrünstig widersprechen müsste. Doch der FDPler musste wegen einer Spontan-Erkrankung eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn absagen.
Was aber parteiübergreifend eint, sei das gesellschaftliche Engagement jedes ernsthaften Politikers. "Nicht jeder Klassensprecher wird Politiker, aber bestimmt war jeder Politiker irgendwann einmal Klassensprecher", wirbt Al-Wazir um die Hörerschaft. Eine Jobbeschreibung des Fraktionsvorsitzenden hat er für potenzielle Nachwuchspolitiker schnell parat: "Spielertrainer. Ich spiele mit und gebe anderen im Team Tipps."
Der Spielertrainer will jedoch kein neuer Joschka sein. "Fischer hat Großes für die Partei geleistet. Aber hier die Unterschiede: Mein Body Mass Index von etwas über 20 und in erster Ehe verheiratet", sagt Al-Wazir grinsend auf die Frage nach der etwaigen Fischer-Nachfolge, um anzufügen: "Als Politiker scheitert man, wenn man sein Handeln an anderen orientiert. Erfolg kommt nur durch Authentizität." Dennoch, Fragen nach dem Grund für einen Gang in die Politik und nicht in die besser zahlende Wirtschaft werden ebenso wenig gestellt wie die nach Konflikte, zwischen Idealen und der Realpolitik. Für Lukas Schnabel (17) ist die Antwort einfach. "Als Idealist kann ich doch das Größte wollen und mich mit dem Kleinsten zufrieden geben. Ein Kompromiss ist besser als nichts", sagt der angehende Politikstudent und klingt recht pragmatisch.

