SV Erbenheim holt Hallenkrone bei Schiedsrichter-Turnier in Wiesbaden
08.01.2012 - WIESBADEN
Von Stephan Neumann
Am Ende triumphierten die Utrakompakten über die Künstler, avancierte Kreis-Oberligist SV Erbenheim durch das 3:0 im Finale über den VfR zum Überraschungs-Champion des von der Wiesbadener Schiedsrichterzunft am Elsässer Platz ausgerichteten Hallenfußballturniers. Insbesondere der FC Maroc, aber auch der SC Mesopotamien, der durch das 2:1 über Maroc Dritter wurde, Türkischer SV, Portugiesischer SV und die SG Italia/Rhein-Main hatten vorher mit technischen Finessen aufgewartet, scheiterten aber letztlich.
An den letzten beiden Tagen bildeten jeweils 800 Zuschauer die imposante Kulisse einer phasenweise höchst unterhaltsamen Veranstaltung mit ganz wenigen hässlichen Szenen, dafür mit stetem Bemühen um Spielkultur. Die Schiedsrichter hatten durch ihre konsequente Linie jeden Ansatz von Grätscheinlagen konsequent im Keim erstickt.
„Mit diesem Erfolg hatten wir selbst am allerwenigsten gerechnet“
Erbenheims Teamwork wurde von Oberbürgermeister Helmut Müller und Referee-Boss Gerhard Steudter mit Wanderpokal und 600 Euro belohnt. „Mit diesem Erfolg hatten wir selbst am allerwenigsten gerechnet“, strahlte Torhüter-Rückhalt Uwe Schnell. Durch seine Kontakte fanden während der Winterpause Haybert Baghramian und Daniel Massfeller vom Verbandsligisten SVW den Weg ans Oberfeld. Zwei, die sich prompt als Verstärkungen erwiesen. Ferner sind die Rückkehrer Steven Fredrikson (Ginsheim) und Patrick Guido (Portugiesischer SV) sowie Dennis Schneider (Westend) hinzugestoßen.
Das Quintett schließt die Lücken, für die fünf andere Akteure durch ihre herbstliche Aktion gesorgt hatten. Karim El Bakkaoui, Deniz Karaayak (beide zum SV Frauenstein), Caner Celik (TB Rambach), Deniz Bilgen (Dotzheim) Khalid El Bakkaoui (Ziel unbekannt) waren dem Trainingsbetrieb fern geblieben, weil sie die Arbeit von Trainer Ali Ünal infrage stellten. Doch der Verein hielt dem Coach der Stange, der sich nun bestätigt fühlt: „Der Einzelne zählt nicht. Es funktioniert nur mit Mannschaftsgeist und Leidenschaft.“
Was auch auf den VfR zutraf. Und speziell auf den FCMaroc. Ein von Trainer-Turbulenzen geplagter Club, der nach erneutem Wechsel – Karim Tahiri hat Jotis Sigiouras abgelöst – wie Phönix aus der Asche emporstieg. „Auf Wiedersehen, auf Wiedersehen“, skandierten die Maroc-Fans, nachdem das Team der Techniker den Turnierfavoriten und Platznachbarn FC Bierstadt im wohl besten Turniermatch im Achtelfinale mit 4:1 entzaubert hatte. Die „Auf Wiedersehen-Hymne“ erklang im Halbfinale aus dem Lager des VfR, der Maroc stoppte. Ausgerechnet Trainer Tahiri, sonst mit starker Vorstellung hatte vor dem 2:1-Siegtor des VfR gepatzt.
Hahnenkampf trübt das Bild
Es war auch das Turnier der Typen und Tore: Beim Portugiesischen SV beeindruckte Keeper-Altmeister Victor Aires Campos, beim Türkischen SV Youngster Ali Bektas mit sensationellem Treffer. Per Kopf nahm er die Kugel an, ließ sie auf die Brust abtropfen, um per Fallrückzieher zu verwandeln. Salim Marzouki traf im Viertfinale gegen den SVW spektakulär an die Lattenunterkante. Von dort prallte der Ball aus dem Blickfeld des Hallenbalkons Zentimeter hinter die Torlinie auf. Spielleiter Mutlu Güler hatte indes von der Mittellinie keine Chance, den Ballweg blitzartig wahrzunehmen. Er ließ weiterspielen, der SVW kam im Gegenzug zum 2:1 (Endstand 3:2) und die TSV-Fans übten hinterher lautstark Kritik an ihrem pfeifenden Landsmann.
Ansonsten trübte einzig der Hahnenkampf mit Gurgelgriffen und Schubserei zwischen Kevin Wagner (Biebrich 02 ) und Kohlhecks Jakob Blech das positive Gesamtbild. Schiedsrichter Thomas Budak zückte Rot gegen die Widersacher. Danach beruhigten sich auch auf den Rängen die Gemüter, nahmen die Teams den Fairplay-Faden wieder auf.

