Von Aliki Nassoufis
Teure Medikamente lassen in vielen Fällen wieder Haare sprießen / Männer sollten eher lernen, zu ihrer Glatze zu stehen
Zuerst wird die Stirn höher, dann zeigt sich eine lichte Stelle am Hinterkopf: Haarausfall ist für viele Männer ein regelrechter Super-GAU. Während sie früher ihre Hoffnung in allerlei Mittelchen setzen mussten oder die kahlen Stellen mit Haarteilen kaschierten, stehen seit einigen Jahren auch wirksame Medikamente zur Verfügung. Eine Garantie können allerdings auch sie nicht geben. "Studien ergaben, dass Männer mit Glatze nicht nur durchschnittlich drei bis vier Jahre älter geschätzt werden, als sie eigentlich sind", sagt der Psychologe Ronald Henss. "Sie werden auch als unmodischer empfunden." Ein kleiner Trost: "Männer mit Glatze werden meist als Familienmenschen und treue Ehemänner angesehen." Mit dem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Haare ausfallen. "Bis zum 80. Lebensjahr sind um die 80 Prozent aller Männer mehr oder weniger betroffen", erklärt Natalie Garcia Bartels vom Kompetenzzentrum für Haare der Charité in Berlin. "Meist handelt es sich dabei um erblich bedingten Haarausfall, die sogenannte androgenetische Alopezie, die bei Männern vom 20. Lebensjahr an einsetzen kann." Sie zeigt sich mit Geheimratsecken oder Haarausfall am Hinterkopf und arbeitet sich langsam vor. Die Ursache erklärt der Endokrinologe und Internist Gerd Hofmann: "Es gibt ein Enzym, das das männliche Hormon Testosteron in Dihydrotestosteron umwandelt, wogegen wiederum die Haarfollikel eine starke Empfindlichkeit entwickeln." Die Folge sei, dass der Mann mehr Haare als normal verliert. Warum das bei manchen Männern passiert und bei anderen nicht, sei allerdings noch nicht erforscht. Um den Haarausfall zu stoppen, kann man mittlerweile zu zwei Mitteln greifen, deren Wirkung durch Studien belegt ist. "Zunächst gibt es da einen Wirkstoff, der in höherer Dosierung eigentlich zur Behandlung der Prostata eingesetzt wird", erklärt Garcia Bartels. "Der hemmt das Enzym, das das Testosteron in das für die Haarwurzel schädliche Dihydrotestosteron umwandelt." Der verschreibungspflichtige Wirkstoff muss täglich in Tabletten eingenommen werden. "Stoppt man die Behandlung, wird der Haarausfall in der Regel wie zuvor wieder weitergehen." Die Kosten mit rund 150 Euro für drei Monate sind zudem recht hoch. Etwas günstiger und zur äußeren Anwendung vorgesehen ist hingegen ein anderer Wirkstoff. Er wurde ursprünglich als Bluthochdruckmittel entwickelt. "Diese Tinktur muss zweimal täglich aufgetragen werden", weiß Garcia Bartels. Hier liegt die Erfolgsquote allerdings niedriger: Während bei dem ersten Wirkstoff bei 80 Prozent der Anwender der Haarausfall gestoppt wird, liegt der Wert beim zweiten bei etwa 70 Prozent. Und wachsen bei 70 bis 80 Prozent der Anwender der ersten Substanz wieder Haare, sprießt es bei der anderen nur bei 50 bis 60 Prozent. Neben den Medikamenten gibt es auch noch eine andere Möglichkeit, wieder zu einem volleren Haupthaar zu kommen: die Eigenhaartransplantation. Eine solche Transplantation ist zudem sehr kostspielig. Vermutlich ist es da besser, wenn ein Mann lernt, zu seiner Glatze zu stehen. "Die Probleme, die Männer mit dem ausfallenden Haar haben, nehmen ohnehin mit zunehmendem Alter ab", sagt Henss. www.internisten-im-netz.de www.charite.de

