Von Manfred Gerber
Luxemburger Herrscherhaus besuchte Stadt, Land und Nassau-Ausstellung
WIESBADEN Vier Besuchsstationen haben Großherzog Henri von Luxemburg und Erbgroßherzog Guillaume gestern absolviert: Staatskanzlei, Rathaus, Biebricher Schloss und Casino-Gesellschaft. Großherzogin Maria Teresa hatte aus familiären Gründen absagen müssen.
Fast auf die Minute genau fuhren sieben "Weiße Mäuse", gefolgt von einem Audi-A 8-Konvoi, vom Nassauer Hof in die Georg-August-Zinn-Straße ein und an der Staatskanzlei vor, wo Ministerpräsident Roland Koch (CDU), Frau Anke und Staatsminister Stefan Grüttner (CDU) schon auf dem roten Teppich warteten, um die Gäste, zwei Königliche Hoheiten aus dem Großherzogtum Luxemburg, zu begrüßen. Rund 200 Kiebitze hatten sich hinter einem roten Absperrband auf dem Kranzplatz eingefunden. Dazu ein Pulk von Pressefotografen. Anlass des Besuchs war, wie berichtet, die 200. Wiederkehr der Gründung des Herzogtums Nassau im Jahr 1806, als der Ur-Ahn Henris, der NassauUsinger Fürst Friedrich August, von Napoleons Gnaden zum Herzog von Nassau erhoben wurde. Am Abend eröffneten die beiden Luxemburger die Ausstellung "Napoleon & Nassau" in der Casino-Gesellschaft. Prinz Guillaume und Koch sind ihre Schirmherren. An der Staatskanzlei war am Nachmittag auch die blau-weiß-rote Trikolore Luxemburgs gehisst. Nach dem Abspielen der Nationalhymnen durch das Hessische Polizeiorchester zogen sich Gäste und Gastgeber zu Gesprächen in die Staatskanzlei zurück. Großherzogswetter war es nicht gerade, aber trocken genug, damit Oberbürgermeister Hildebrand Diehl (CDU) und Lebensgefährtin Kristina Dyckerhoff die beiden Staatsgäste durch die Altstadt zum Rathaus führen konnten - der Oberbürgermeister in Goldener Amtskette. Da führte der Weg zwangsläufig auch am Stadtschloss vorbei, in dem einst Henris Vorfahren - für damalige Zeiten recht bürgernah - residierten. Und spätestens, nachdem Hildebrand Diehl festgestellt hatte, dass auch Henri gerne segelt, waren die beiden sich näher gekommen. An der Rathaus-Treppe war der zweite rote Teppich ausgerollt, auf dem Stadtverordnetenvorsteherin Angelika Thiels (CDU) wartete. Im Festsaal des Rathauses dann ein freundlicher, warmherziger Applaus der geladenen Gäste für die beiden Besucher aus Luxemburg. Der Oberbürgermeister würdigte in seiner Ansprache die Verdienste der Herzöge von Nassau um die Stadt Wiesbaden: Sie hätten in einem kleinen Badeort die wirtschaftlichen Grundlagen für den Aufstieg zur Weltkurstadt gelegt. Nach dem feierlichen Eintrag ins Goldene Buch der Stadt dankte der Großherzog freundlich und wünschte Wiesbaden alles Gute und eine glückliche, friedliche Zukunft. Ein bisschen "sentimental"Nicht weniger warmherzig ging es am Abend in der Rotunde des Biebricher Schlosses zu. Henri bekannte, dass für ihn und seinen Sohn Guillaume die Feierlichkeiten in Biebrich, der Residenz seines vor genau 100 Jahren verstorbenen Ur-Ur-Großvaters Adolph, "einen ganz besonderen sentimentalen Charakter" hätten. Aus der Napoleonischen Zeit zog Henri die Lehre, dass von oben diktierte Staatsformen wie der Rheinbund oder der Deutsche Bund, die nicht vom Volk getragen werden, keine Überlebenschancen haben. Freundlicher Applaus auch in der Rotunde, wo Ministerpräsident Roland Koch ausführlich die aus heutiger Sicht kühn anmutenden Reformen der Nassauer Herzöge würdigte. Casino-Vorsitzender Georg Schmidt-von Rhein skizzierte die Historie und die Grund-Ideen der von ihm konzipierten Ausstellung. Kirchenpräsident Peter Steinacker, der auch den katholischen Bischof von Limburg, Franz Kamphaus, vertrat, ließ die außerordentliche Kirchengeschichte des Herzogtums Revue passieren. Und last but not least dankten der Ministerpräsident und der Großherzog Georg Schmidt-von Rhein und seinen Mitarbeitern für die außerordentliche Leistung, die sie mit der Ausstellung vollbracht haben. Koch zum Casino-Vorsitzenden: "Sie haben sich um die Stadt Wiesbaden und das Land Hessen verdient gemacht."

