Von Christoph Cuntz
Report-Beitrag widerlegt Aussage, die Volker Hoff im Gespräch mit dem Kurier gemacht hat
Hessens Europaminister Volker Hoff (CDU) ist nach Recherchen des ARD-Magazins Report Mainz stärker, als er dies bislang zugegeben hat, in dubiose Geschäfte des früheren Chefs von Aegis Media, Aleksander Ruzicka, verstrickt. Ruzicka und drei weitere Beschuldigte sind angeklagt, 52 Millionen Euro veruntreut zu haben. Dabei geht es um Werbezeiten, die die Wiesbadener Media-Agentur vermarktet hat. Von den üppigen Rabatten, die private Fernseh-Anstalten gewährten, sollen sich die Angeklagten einen Teil abgezweigt und über Tarnfirmen in die eigenen Taschen geschleust haben. Seit Beginn dieses Jahres ermittelt die Staatsanwaltschaft auch gegen Hoffs früheren Geschäftspartner Reinhard Zoffel. Beide zusammen hatten die Wiesbadener Werbeagentur Zoffel Hoff Partner (ZHP) betrieben. Zoffel wird der Beihilfe zur Untreue verdächtigt. Nach Kurier-Informationen geht es dabei um Geschäfte in Südtirol und um 38 Rechnungen "für Dienste in Südtirol" aus den Jahren 2002 bis 2006. Die Beträge lagen zwischen rund 60 000 Euro und knapp 600 000 Euro. Der Verdacht der Staatsanwaltschaft: Diese Rechnungen könnten dokumentieren, dass die Wiesbadener Tarnfirma Camaco veruntreute Aegis-Gelder an ZHP weiter geleitet hat. Entscheidend für Zoffel wird sein, ob er für diese Rechnungen eine plausible Erklärung bieten kann. ZHP ist seit Jahren in größerem Umfang in Südtirol tätig. Unter anderem hatte die Agentur im Jahr 2004 eine Kampagne einer Bestof-Myworld AG betreut. Diese betrieb ein Internet-Portal, auf dem Südtiroler Hotels für sich werben konnten. Kosten je Hotelier: 26 000 Euro. Für das Internet-Portal hatte die Bestof-Myworld AG aufwändig im deutschen Privatfernsehen geworben. Vergebens. Die Kampagne war ein Flop für die 53 Hotels und 20 Bauernhöfe, die sich beteiligt hatten. In Südtirol war Reinhard Zoffel als Vertreter der Bestof-Myworld AG aufgetreten, hatte aber nie die Finanziers der kostenintensiven Werbekampagne genannt. Sitz der Aktiengesellschaft ist - wie der Kurier schon im Februar berichtet hat - ein Haus in Mühlheim am Main, in dem Volker Hoffs Mutter lebt. Und dennoch will Hoff mit der Bestof-Myworld AG nichts zu tun gehabt haben. "An wen meine Mutter vermietet, ist deren Sache", so damals der Minister auf Kurier-Anfrage. Report Mainz kommt nun zu dem Schluss: "Hoff war maßgeblich bei der Gründung der Bestof My World AG beteiligt". Hoff habe als bevollmächtigter Vertreter die Gründung der Aktiengesellschaft veranlasst. Inhaber der Bestof-Myworld AG seien drei Firmen, die Ruzicka und seinem Umfeld zuzuordnen seien, darunter die Live2Solutions, über die veruntreutes Geld in die Taschen der Beschuldigten geflossen waren. Beteiligt an der Bestof-Myworld AG war ferner der angeklagte, früherer Aegis-Manager Heinrich Kernebeck mit seiner Firma Cascade. Hartmut Ferse, Sprecher der Staatsanwaltschaft, sagte gestern, Volker Hoff könne nach derzeitigem Erkenntnisstand kein Persilschein ausgestellt werden. Es gebe aber auch keine Anhaltspunkte, die einen Anfangsverdacht gegen ihn begründeten. Noch vor Ausstrahlung des Report-Beitrages forderte die SPD Hoff zur öffentlichen Stellungnahme auf. "Wenn der Vorwurf zutrifft, dass Herr Hoff eine in der Betrugsaffäre involvierte Firma am Wohnsitz seiner Mutter angemeldet hat, dann besteht dringender Aufklärungsbedarf von Seiten Hoffs", so Reinhard Kahl, Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion. Auch die Grünen forderten, Hoff müsse die Widersprüche erklären.

